Goethe Gesellschaft Gera e.V. » Rückblick

Auf dem historischen Mühlenhof

Tagesausflug am 26. November 2016

Goethefreunde aus Gera und Erfurt besuchten den historischen Mühlenhof Bosse bei Dachwig. Mit dabei waren Flüchtlingsfamilien aus Syrien, dem Irak sowie eine Dolmetscherin von der Insel Madagaskar. Für diesen Personenkreis leisten Mitglieder der Goethe-Gesellschaft Gera aktive Hilfe bei der Bewältigung des täglichen Lebens, so beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Behördengängen. Ihre Teilnahme am Ausflug ist ein Stück gelebte Integration durch Menschenfreundlichkeit und Toleranz, ganz nach dem Zitat von Goethe zur Anerkennung des Anderen: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein, sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Unser Beisammensein began mit einem Vortrag über die lange Geschichte der historischen Wassermühle und des Müllerhandwerks, einem Ausflug in die Vergangenheit im Mühlenmuseum, einem Stöbern auf den verschiedenen Ebenen des Bauwerks.

Anschließend herrschte gute Stimmung im Mühlenrestaurant. Dabei gab es Getränke, passend zur Winterzeit, Kaffee und Kuchen.

Dieeter Schumann und sein Begleiter sorgten für Musik und Gesang aus den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts, ein Ohrenschmaus im passenden Ambiente.

Überraschung und Freude standen in den Gesichtern geschrieben, als Angelika und Bernd kleine Buchgeschenke an alle Teilnehmer des Ausflugs verteilten, fast wie Weihnachten!

Natürlich sangen die Goethefreunde bekannte Volks- und Weihnachtslieder. Die syrischen und irakischen Flüchtlinge sangen Lieder aus ihrer fernen Heimat.

Mit guten Gesprächen in froher Runde und einem köstlichen Büfett gingen die schönen Stunden zu Ende.

Um mit den Worten von Goethe zu sprechen: „… allen, die darin verkehrt, ward ein guter Mut beschert.“

Ein herzliches Dankeschön geht an Angelika und Bernd Kemter, an Dieter Schumann. Sie haben den erlebnisreichen Tagesausflug organisiert und mit uns durchgeführt.

Helga Stahl

Johann Peter Eckermann – Goethes geprüfter Haus- und Seelenfreund

Vortrag von Dr. Egon Freitag, Weimar, am 2. November 2016

Johann Peter Eckermann wuchs in ärmlichsten Verhältnissen auf. Er wurde 1792 in Winsen an der Luhe (Lüneburger Heide) geboren. Sein Vater war Hausierer, seine Mutter Heimarbeiterin. Als Hütejunge konnte er nur notdürftig Lesen und Schreiben lernen. Aber er besaß ein großes zeichnerisches Talent. Doch wegen seiner anfänglich geringen Bildung wurde er oft verspottet, auch noch später. Heine nannte ihn „Goethes Papagei“, Lenau dichtete „Eckermann und Goethe/Blaserohr und Flöte“.
Eckermann nahm 1813 am Winterfeldzug gegen Napoleon teil. Danach wollte er Maler werden, er kopierte Bilder. Im Winter 1815 wanderte er nach Hannover zu Kunstmaler und Kupferstecher Johann Heinrich Ramberg. Er nahm bei ihm Zeichenunterricht. Dann ging ihm das Geld aus. Außerdem litt er an einer schweren Krankheit.
Von 1815 bis 1821 hielt er sich in Hannover auf. Er lernte dort Latein und Griechisch und widmete sich nun der Poesie, die ihn nach eigenen Worten „mit zärtlichen Armen aufnahm“. Sein erstes Gedicht widmete er den aus den napoleonischen Feldzügen zurückkehrenden Soldaten. Jetzt wollte er Dichter werden. Er las Klopstock und Schiller, lernte mit 24 Jahren Werke Goethes kennen. Er las sie immer wieder. Goethe wurde Eckermanns Leitstern. Erst in dieser Zeit besuchte er ein Gymnasium. Gönner empfahlen ihn für ein „Brotstudium“ in Göttingen. Er bekam Studienbeihilfe. In Göttingen wirkten damals Lichtenberg, Voß, Bürger, Brentano, die hier studierten; ebenso die beiden Humboldts, Heine und Fallersleben. Er sollte Jura studieren, aber dies interessierte ihn überhaupt nicht. Er hatte nur die Kunst und Literatur im Sinn.
Nun begab er sich zu Fuß von Göttingen nach Dresden. Auf der Rückreise wollte er in Weimar unbedingt Goethe kennenlernen. Allerdings war Goethe abwesend. 1821 schickte er seine Gedichte an Goethe, versehen mit Geburtstagswünschen und mit der Bitte um einige aufmunternde Worte für einen Verleger. Eckermann erhielt Antwort, und dies war eine große Freude für ihn. Dies beflügelte ihn umso mehr, unbedingt Goethe zu treffen, um Schriftsteller zu werden und endlich Geld zu verdienen. Er schuf das Trauerspiel „Graf Eduard“. Er äußerte ebenso seine Gedanken zu Goethes „Beiträge zur Poesie“ und meinte hierzu: „Der Mensch ist nicht zum Wissen, sondern zur Tat berufen.“
Eckermann hoffte lange, einen Verleger zu finden. Daher hatte er auch sein Studium abgebrochen. In dieser Situation war er nicht in der Lage, seine Verlobte Johanna Bertram, das „Hannchen“, an den Traualtar zu führen. Er verließ Göttingen, wanderte etwa 150 Kilometer durch das Werratal nach Weimar. Am 10. Juni 1823 erlebte er seine Sternstunde, er lernte endlich Goethe persönlich kennen. Ihm, dem Hütejungen, öffnete sich die Tür zum Frauenplan, durch die große Gelehrte, Künstler, Fürsten und Könige gingen.
Goethe war damals fast 74 Jahre alt, Eckermann 31. Goethe musste rasch erkannt haben, dass ihm Eckermann sehr nützlich werden könnte. Er stellte ihn zur Probe. Als erstes musste Eckermann herausfinden, welche Rezensionen in den „Frankfurter Gelehrten Anzeigen“ von 1772/73 aus Goethes Federstammten. Sie waren allesamt anonym erschienen. Eckermann meisterte diese Aufgabe mit Bravour. Einige Tage später sollte er eine Inhaltsangabe über „Kunst und Alterum“ erstellen. Auch diese Aufgabe wurde erledigt und ebenso die dritte.
Nun schickte Goethe seinen Adlatus mit einem Empfehlungsschreiben nach Jena, er selber fuhr zur Kur in die böhmischen Bäder. „Er ist mit meiner Denkweise so vertraut …“ lobte Goethe, und dieses Lob war für Eckermann der Ritterschlag. „Er ist mein geprüfter Haus- und Seelenfreund.“ – „Wie eine Ameise schleppt er meine Gedichte zusammen“. – „Er weiß, mit großer Liebe allem etwas abzugewinnen“.
Berge von Manuskripten harrten Eckermanns Redaktion. Goethe bereitete eine Gesamtausgabe seiner Werke vor, alles musste gesammelt, redigiert und imprimiert werden. Wie Eckermann an seine Verlobte Johanna Bertram berichtete, wollte er alles tun, um sich vor der Welt auszuzeichnen. Dennoch blieb sein Wunsch, selbst Schriftsteller zu werden, unerfüllt. Und er fühlte sich nicht wohl in Weimar: „Wenn nicht Goethe und einige seiner Freunde (wie Riemer und Kanzler Müller) wären, würde ich nicht einen Tag in Weimar bleiben.“ – Meine Armut ist mein größtes Unglück.“
Eckermann hat den Dichter wohl 1000-mal besucht.
Viele Gespräche mit Goethe weckten in Eckermann den Wunsch, selbige in Druck zu geben. Er hoffte, dadurch in Europa bekannt zu werden. Goethe wusste von diesem Vorhaben und akzeptierte es. Doch Goethe wünschte keinesfalls eine baldige Publikation, erst nach seinem Lebensende sollten die Gespräche erscheinen. Er hat sie nicht heimlich aufgeschrieben; solange Goethe lebte, wusste er auch davon.
1828 gab es ein Gespräch, zu dem Eckermann nur vier Stichworte aufzeichnete; Genie, Napoleon, Preußen, Produktivität. Daraus entwickelten sich später 17 Druckseiten. Eckermanns Gespräche mit Goethe sind keine wörtlichen Protokolle, vieles hat er aus der Erinnerung aufgeschrieben. Dass er aber Ton und Inhalt richtig traf, betstätigten Goethes Enkel: „Ja, es ist der Apapa.“ Er hat genau Goethes Wortwahl und Ausdrucksweise verinnerlicht. An besagtem Gespräch hat er übrigens vier Wochen gearbeitet.
Eckermann genoss das Vertrauen Goethes. Selbiger führte ihn in die Naturwissenschaften, besonders in die Farbenlehre ein. Eckermann sollte sogar ein Kompendium über Goethes Farbenlehre verfassen. Dieses Vorhaben hat er aber nicht ausgeführt. Einmal kam es zum Streit. „Blaue Schatten im Schnee“ waren für Goethe lediglich eine optische Täuschung. Eckermann dagegen behauptete, dass dieses Blau durchaus nichts Subjektives sei, wie Goethe meinte, sondern etwas Objektives, der Widerschein des Himmels. Goethe billigte aber diesen Einwand nicht, ja, er wurde richtig böse. Er vertrug keinen Widerspruch, schon gar nicht in der Farbenlehre. Zwei Jahre später korrigierte sich Goethe allerdings.
Eckermann hatte großen Einfluss darauf, dass Goethe endlich den zweiten Teil vom „Faust“ beendete. Er hat sich immer wieder nach dieser oder jener Person (z. B. Helena) erkundigt, um auf diese Weise Goethe voranzutreiben. Beim 1. Teil war Schiller, beim 2. Eckermann der „Treiber“.
Beide waren regelrecht befreundet, Goethe sorgte dafür, dass Eckermann an der Jenaer Universität seinen Doktortitel bekam. Und es gibt ein weiteres Beispiel ihrer Freundschaft. Eckermann hatte in den Niederlanden das Bogenschießen erlernt und wusste Goethe davon zu begeistern. Da Eckermann aber zu arm war, um einen Bogen zu kaufen, schenkte ihm Goethe den Bogen eines Baschkiren aus seinem Bestand. So versuchten sie sich im Hausgarten am Frauenplan. Dabei schossen sie auch auf die Fensterlade zu Goethes Arbeitszimmer. Der Pfeil blieb drin stecken, man konnte ihn nicht aus dem Holz herausziehen. Goethe fand Spaß am Bogenschießen, nicht aber am Kegeln, dies sei etwas für Philister. Auch dieses Beispiel frd Bogenschießens zeigt, dass Eckermann nicht einfach Goethes Sekretär war, sie waren wahrhaftig Freunde.
Nach Goethes Tod arbeitete Eckermann gemeinsam mit Riemer und Kanzler Müller am Nachlass, der sich zu vierzig Bänden auswuchs. 1836 erschienen die „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“, die Eckermann der Großherzogin Anna Pawlowna widmete, die ihn stark unterstützte, da er nach dem Tod seiner Frau in noch größerer finanzieller Not lebte. Goethe hatte ihm keinen Lohn gezahlt, wohl auch deshalb, da er ihn als seinen Freund betrachtete, jedoch nicht als Sekretär. Sekretär war John. Nun erhielt er 300 Taler lebenslange Pension, verbunden freilich mit der Auflage, in Weimar zu wohnen. Vom preußischen Köng erhielt Eckermann auf Vermittlung der Humboldts 360 Taler.
Sein bleibendes Verdienst sind die „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“ Nietzsche meinte später: „Die Unterhaltungen Eckermanns und Goethes sind das beste Buch, das es gibt.“

Auf den Spuren Goethes in Italien

Unsere Reise „Auf den Spuren Goethe in Italien“ fand vom 9. bis 16. Oktober 2016 statt. Unser Bus startete am frühen Morgen in Erfurt, fuhr sodann nach Gera, nahm unterwegs weitere Goethefreunde auf, so dass wir insgesamt 31 Personen waren. Noch in Gera gab es die erste Überraschung: ein kleines Paket mit Essen und Getränken vom Reisebüro TRI TOURS, worüber sich ALLE freuten.
Wir durchfuhren Oberfranken, die Fränkische Schweiz, die Nürnberger Gegend, und es ging weiter gen München.
Während der gesamten Fahrt las uns unser Vereinsvorsitzender einzelne Kapitel aus Goethes „Italienischer Reise“ vor. Gegen 11.30 Uhr sahen wir bereits Türme und Stadion Münchens in der Ferne. Wir erblickten die Alpen, den Inn, der die Grenze zum Tiroler Land bildet. Eine Stunde später fuhren wir somit schon durch Österreich, um gegen 15 Uhr Italien zu erreichen. Herrlich, wunderschön die Bergwelt anzuschauen! Nahe Trient machten wir eine kurze Pause – es regnete. Weiterfahrt zum Gardasee. Unser erster größerer Halt war in Malcesine, um uns das Castello anzusehen – leider geschlossen, Sonntag! In diesem Ort wäre Goethe beinahe als Spion verhaftet worden, als er die festung zeichnete.
In Torbole: Stopp für Fotos. Hier steht ein kleines Goethe-Denkmal. Auch dichtete Goethe am wunderschönen Gardasee: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh’n?“
Am nächsten Tag ging die Fahrt weiter nach Vicenza. Bei der Stadtführung erfuhren wir, dass Goethe hier am 19. September 1786 weilte, das Olympische Theater, die Basilika besuchte und die berühmte Rotonda des italienischen Baumeisters Andrea Palladio betrachtete.
Am frühen Nachmittag kamen wir in Verona an. Hier hat sich Goethe sehr für die antike Geschichte interessiert; er besuchte das Amphitheater, Paläste, die Markthallen, besichtigte Gemälde und Gärten. Auch uns zeigte die Stadt an der Etsch viele Sehenswürdigkeiten. Stunden später fuhren wir in Richtung Florenz weiter. Firenze (so der italienische Name) wurde 59 vor Christus gegründet, sie liegt am Arno-Fluss und ist eine typische Renaissancestadt in der Toskana.Von 1861 bis 1871 war sie sogar Hauptstadt des um seine Unabhängigkeit kämpfenden Italien. Hier lebten und wirkten in der Zeit der Renaissance die großen Italiener Michelangelo, Galilei und Dante. Die Florentiner Architektur verbreitete sich über ganz Europa und wurde immer wieder nachgeahmt. Leider hat Goethe dieser Stadt nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet, ihn interessierte vor allem die römische Antike.
Weiterfahrt nach Siena mit Stadtführung.Wir erfuhren vom Bau des Doms ab 1226 und der Kapelle der heiligen Nonne Katharina (heiliggesprochen 1461). 1472 wurde hier die erste Bank Europas gegründet, und wir hörten vom ältesten Krankenhaus Europas (vor 1093). Wir besuchten den Dom, bestaunten zahlreiche Mosaiken aus Marmor und die berühmten steinernen Einlegearbeiten des Fußbodens. Auch die Plaza di campo bewunderten wir, die in drei verschiedenen Höhen aufgeführt worden ist. So ETWAS hat noch keiner von uns gesehen. Im Juli und August jeden Jahres finden hier spektakuläre Pferderennen ohne Sattel statt – gigantisch mit bis zu 60 000 Zuschauern.
Nach vier Stunden Fahrt kamen wir in Rom an. An nächsten Tag starteten wir zu einer sechsstündigen Stadtführung mit Petersplatz, Petersdom, Vatikanischem Museum, Sixtinischer Kapelle, Kolosseum und Palatin. Alles war sehr beeindruckend, insbesondere die fantastischen Gemälde großer italienischer Meister wurden bestaunt.
Am darauf folgenden Tag waren wir in der Casa di Goethe zu Gast, wo einst der Dichter in Wohngemeinschaft lebte. Während der Führung hörten und sahen wir Dinge und Begebenheiten, die uns durch die Literaturgeschichte schon gut bekannt waren – Aber jetzt, an diesem Ort zu weilen, war ein besonderes Gefühl, ein wundervolles Erlebnis!
Am Freitag fuhren wir nach Perugia und Passignano, unternahmen einen Schiffsausflug auf dem Trasimenischen See zur Isola Maggiore. Dann ging es weiter nach Piacenza. Während der Stadtführung besuchten wir die 1330 erbaute Zitadelle, die auch Goethes Interesse geweckt hatte. Hier wohnten einst die Herrscher der Stadt, heute ist es ein Museum, dieser Palazzo Farnese. Auch den Dom besichtigten wir – Baubeginn 1021! Uralte Säulen mit Fresken, die jeweils die Zünfte darstellten, Marmor überall und herrliche Deckenmalereien haben wir gesehen. Auch zwei Reiterstandbilder der Familie Farnese konnten wir bewundern, es sollen die ersten ihrer Art in Italien gewesen sein.
Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Mailand, wo sich Goethe vom 22. bis 28. Mai 1787 aufhielt. Herr Kemter las nun auch Kapitel zu Orten aus der „Italienischen Reise“ vor, die wir aus Zeitgründen nicht besuchen konnten, beispielsweise Goethes und Tischbeins Erlebnisse in Neapel. Goethe beobachtete die Eruptionen des Vesuv und bestig den Vulkan bis an den Schlund. Regelrecht eingeäschert erreichte er mit seinem Führer den wartenden Tischbein. Es war zweifellos ein gefährliches Abenteuer.
Nachdem sich unser Mailänder Stadtführer vorgestellt hatte, begann die Stadtrundfahrt mit zig Sehenswürdigkeiten. Zunächst führte uns der Weg zum Dom mit seiner im Barockstil prachtvoll gestalteten Fassade. Wir sahen Häuser auch im modernen Stil erbaut und natürlich die Scala. Mailand war für uns die letzte Station unserer fantastischen Reise durch Italien.
Renate Dalgas

Meinungen von Reiseteilnehmern

Reinhard Bierbaum: Ja, oft saß uns die Zeit im Nacken. Dennoch: Was die Teilnehmer in nur acht Tagen „geschafft“ haben, kann sich im Sinne des Wortes sehen und hören lassen.
Und das Erlebte wirkt weiter.
Um es mit Goethe zu sagen: „Das Bekannte wird neu durch unerwartete Bezüge und erregt, mit neuen Gegenständen verknüpft, Aufmerksamkeit, Nachdenken und Urteil.“

Petra Gutheil: Lieber Bernd, liebe Angelika, ich möchte mich auf diesem Wege noch mal ganz herzlich für Eure Bemühungen bedanken, die die Fahrt nach Italien zu einem so intensiven, schönen Erlebnis gemacht haben. Ich kann nur ahnen, wieviel Zeit, Mühen und Absprachen die Organisation im voraus benötigt hat. Ich habe die Fahrt auch als ein schönes Gruppenerlebnis empfunden. Es war spannend, die Geraer Teilnehmer kennen zu lernen, die uns Erfurter freundlich aufgenommen haben. Bei aller Anstrengung möchte ich dieses Erlebnis nicht missen. Das Vorlesen von Goethes Italienreise, begleitend im Bus, fand ich sehr anregend, spannend. Nochmals herzlichen Dank für dieses schöne Erlebnis.

Otti Planerer: Der Alltag hat uns wieder – aber die schönen Erinnerungen bleiben. Ich möchte mich noch einmal bei Euch bedanken für die Organisation und die viele Arbeit, die Ihr durch die Reise hattet. Es war sehr schön!

Gabriele Schwäbe: Ich kam erst 2009 durch eine gute Freundin zur Goethegesellschaft. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein. Ich lernte viel Neues über den Herrn Geheimrat und andere Zeitgenossen und Mitstreiter zu erfahren. Ich habe jeden Vortrag mit viel Interesse verfolgt. Auch die zahlreichen Ausfahrten, ob kurz oder lang, waren immer ein tolles Erlebnis. Bernd Kemter und sein Vorstand haben viel gegeben, um zum Beispiel die Italien-Reise auf Goethes Spuren vorzubereiten und durchzuführen.Es wäre schön, wenn sich noch mehr Geraer Goethefreunde für unsere Gesellschaft interessierten.Ich wünsche uns noch viele interessante Vorträge und Ausflüge auf den Spuren Goethes.

Marie Adler: inzwischen Ist der Koffer ausgepackt, der häusliche Alltag fast wieder eingekehrt.Damit der Dank für eure Mühe nicht in mir steckenbleibt,muß ich euch diese E-Mail schreiben. Vielen ,vielen Dank.Es war eine sehr schöne und vor allem sehr informative Reise.

Schönes Familienfest mit Buga-Förderverein

Familienfest zur Interkulturellen Woche 2016 auf Schloss Osterstein!
Der Buga-Förderverein und die Geraer Goethe-Gesellschaft haben in den
Schlossgarten eingeladen, um bei Spaß und Spiel das Gemeinsame zu finden.
Märchen und Epen wurden gelesen und entführten in eine fantasievolle Welt.
Zu Gast waren Flüchtlinge und viele Freunde der Goethe Gesellschaft. Beim
Zeichnen konnten die Kinder ihre Ideen ausdrücken. Viel Spaß gab es bei der
Schatzsuche rund um Schloss Osterstein. Spielmann Max und sein Spielweib
Barbara spielten dort, wo der Weg kleine Hinweise zum Schatz enthielt.
Walnüsse wiesen den Weg zum Schatz, der von der glücklichen
Schatzsucherinnen, Ariana und Medea, gefunden wurden. Im Hofgut gab es noch
ein kleines mittelalterliches Konzert und natürlich wurden die besten
Zeichnungen und die aktivsten Schatzsucher ausgezeichnet. „Es war eine
gelungene Auftaktveranstaltung“, freut sich Bernd Kemter, der Vorsitzende
der Geraer Goethe-Gesellschaft e.V.
Wolfgang Hesse, Buga-Förderverein

Anmerkung B. K.: Mehrere Mitglieder der Geraer Goethe-Gesellschaft waren vor Ort präsent und übernahmen das Vorlesen der Märchen: Vera Richter, Otti Planerer, Waltraud Steigert, Helga Zauft, Benita Rockstroh, Ingrid Kraft, Sabine Rentzsch. Gabriele Schwäbe sorgte sich um organisatorische Belange.
Vom Buga-Förderverein standen uns tatkräftig zur Seite: Herr Krüger (Mitglied auch der Geraer Goethe-Gesellschaft, Frau Russe, Herr Hesse.
Ihnen allen gilt herzlicher Dank!

Ausflug nach Ilmenau

Am Sonnabend, 10. September 2016, führten wir, Erfurter und Geraer Goetheaner sowie Kulmbacher Literaturfreunde, unseren Ausflug nach Ilmenau durch. Am Anfang erlebten wir eine Führung im GoetheStadtMuseum. Es handelte sich um das frühere Amtshaus, erbaut vom Barockbaumeister Gottfried Heinrich Krohne 1756. Goethe bewohnte bei seinen Aufenthalten das südöstliche Eckzimmer. Heute befindet sich in der ersten Etage das GoetheStadtMuseum. Dort entdeckten wir einen alten Bekannten wieder: Friedrich Kraft, der aus Gera stammte und von Goethe auf rührende Weise unterstützt wurde. Durch Goethes Vermittlung erhielt Kraft (Krafft) auch eine Stelle im Ilmenauer Bergbau.
Interessant waren für uns auch die Exponate zum Bergbau sowie zur Porzellan- und Glasindustrie. Vielfältige technische Innovationen kommen aus Ilmenau: von der Elektronenstrahlröhre bis zum MP3-Player.
Sodann besichtigten wir das Jagdhaus Museum Gabelbach, das in seiner spätbarocken Form 1783 auf Veranlassung von Herzog Carl August errichtet wurde. Nach dessem Tod wurde das Haus kaum noch für Jagdaufenthalte genutzt. Einen guten Eindruck von der ehemaligen Einrichtung vermitteln der repräsentative Festsaal und die Goethe-Wohnung. In den Jahren 2012 und 2015 wurden die beiden Dauerausstellungen „Der Kickelhahn – Goethes Wald im Wandel“ und „Goethe, die Natur und seine Ilmenauer Weggefährten“ eingerichtet.
So konnten wir uns mit dem Wald und seiner nachhaltigen Nutzung im heutigen Revier bekannt machen. Tier- und Pflanzenwelt haben sich enorm verändert. So gab es hier früher zum Beispiel den Sperlingskauz, den Baummarder und den Namensgeber des Kickelhahns, den Auerhahn. Vor 250 Jahren setzte ein wahrer Raubbau an Holz ein, wegen der Porzellan- und Glasindustrie. Holz veschlangen ebenso Bergbau, Köhlerei und Harzgewinnung. Daher verfügte die Großherzogin, dass jeder Bürger jährlich Baumpflanzungen durchführen musste, eine sehr weitsichtige Entscheidung. Jagdmethoden und -waffen sowie ein Modell der Jagdanlage auf dem Kickelhahn vervollständigten das Bild. Beleuchtet wird auch Goethes Verhältnis zu seinen Weimarer Freunden Knebel, Herder und Jean Paul, die sich des Öfteren in Ilmenau trafen… Aufgrund seiner naturwissenschaftlichen Interessen stand Goethe im fachlichen Austausch mit verschiedenen Ilmenauer Persönlichkeiten wie Berginspektor Johann Christian Mahr, Bergrat Carl Wilhelm Voigt und Bergwerksbesitzer Johann Friedrich Wenzel. (Aus Broschüre Jagdhaus Museum Gabelbach).
Goethe weilte mit dem Herzog zu geselligen Jagdausflügen oft hier. Nach dem Museumsbesuch stärkten wir uns im Jagdhotel Gabelbach bei Kaffee und Kuchen.
Natürlich besuchten wir auch das Goethehäuschen auf dem Kickelhahn. Bekanntlich entstand hier sein berühmtes Gedicht „Wandrers Nachtlied“.
Die Kulmbacher Literaturfreunde erfreuten uns auf dem Kickelhan, von dem man wundeschöne Ausblicke genießen konnte, mit einigen Proben ihres literarischen Schaffens.
Danach fuhren wir nach Ilmenau zurück. Dort erwartete uns eine künstlerische Darbietung „Goethe und die Frauen“ sowie ein festliches Büfett. Dabei erwies sich das Personal im sehr idyllisch gelegenen Haus am Großen See als sehr gastfreundlich.
So verließen wir Ilmenau mit den angenehmsten Eindrücken. Im kommenden Jahr stehen das Museum Goethehaus Stützerbach und der Dichter-Heinse-Ort Langewiesen inclusive das dortige Schaubergwerk auf dem Programm.

Anakreontik und anakreontische Aufklärung

Vortrag von Prof. Hans-Joachim Kertscher, Halle, am 7. September 2016

Das 18. Jahrhundert wird oft in der Forschung als ein Zeitraum charakterisiert, in dem sich neue Formen einer Geselligkeit herausbilden, die mit dem Attribut „bürgerlich“ näher bezeichnet und damit dem feudalen Geselligkeitsideal diametral gegenübergestellt werden. Gerade Halle bot sich hierfür an, als eine Stadt „vieler feiner und geschickter Köpfe und gelehrter Leute“ (Hieronymus Megiser). Sie ist geradezu prädestiniert für die Gründung einer Universität.
Nach der 1694 erfolgten Gründung der Fridericiana ist davon nicht mehr viel zu spüren. Der nach dem Tod Luthers (1546) einsetzende Streit um die Adiaphora (Mitteldinge) wie Tanzen, Spaziergang, Theater und andere Vergnügungen, die in der Bibel weder als gut noch böse apostrophiert erscheinen, sollte nun entschieden werden. Der Streit endete zunächst ergebnislos. Erst angesichts der rohen Sitten infolge des Dreißigjährigen Krieges mit seinen kulturellen Ausschweifungen, ihren frivolen Tänzen, barbarischen Trinkgelagen und banalen Komödien fühlten sich hallesche Pietisten bemüßigt, den Streit wieder aufzunehmen und bis zum Ende auszufechten – dies, indem sie die Adiaphora als böse kennzeichneten. Selbst die laute fröhliche Unterhaltung, schöne Blüten und das Singen der Vögel galten als bedenklich.
Die Kollegien an der Universität erhielten folglich den Charakter von Erbauungsstunden, die Erweckung wurde zur Hauptsache, das emsige, geduldige Arbeiten in menschlicher Wissenschaft erschien fast überflüssig. Alle Gläubigen jubelten über die wundervollen Offenbarungen göttlicher Gnade, die Gegner klagten über zunehmende Melancholie, über Geistesstörungen und Verrücktheiten der schlimmsten Art.
Es ist für Halle aus den genannten Gründen typisch, dass sich gesellige Runden zunächst nur zur Pflege einer gelehrten Geselligkeit zusammenfanden. Um 1733 hatte sich in Halle u. a. Eine von dem Theologiestudenten Samuel Gotthold Lange gegründete Gesellschaft zur Beförderung der deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit etabliert. Mit der Aufnahme von Immanuel Jacob Pyra (1715 – 1744) wurde das Unternehmen etwa um 1735 stark belebt. Der Erste Hallesche Dichterkreis, in dessen Tradition beispielsweise Klopstock und Hölderlin einzubetten wären, hatte sich konstituiert. Ein Lehrgedicht Pyras, das dieser seinem Freund und Kommilitonen Lange zum Amtsantritt als Pastor in Laublingen zugeignet hatte, begründet die Poetologie, der sich die beiden Dichterfreunde verpflichtet fühlten. Beide präsentieren ein neues Geselligkeits- und Freúndschaftsideal. Man beschäftigt sich mit Übersetzungen der lateinischen Oden von Horaz (65 – 8 v.Chr.), und es entstehen die deutlich von den Römern beeinflussten Thirsis und Damons freundschaftliche Lieder. In dieser Sammlung finden die Autoren, deren erste Gedichte noch sehr stark von einer pietistischen Innerlichkeit geprägt waren, auch neue Töne lyrischen Schreibens. Sie feiern die Freundschaft, empfinden Naturerlebnisse lyrisch nach und stellen damit der dominierenden rationalistischen Dichtung neue Akzente entgegen.
Zu den Dichtern des Zweiten Halleschen Dichterkreise gehörte Johann Peter Uz (1720 – 1796). Er wie die anderen jungen Dichter stellten dem pietistischen Erweckungserlebnis die scherzhafte, eben anakreonistische Erweckung gegenüber. Neben Uz gehörten zu dem Dichterkreis der Jurastudetn Johann Wilhelm Kudwig Gleim (1720 – 1803), der später als deutscher Anakreon gefeiert wurde, der Theologiestudent Johann Nikolaus Götz (1721 – 1781) und der Fecht- und Sprachlehrer Paul Jacob Rudnick (1719 – 1741).
Gleim: Zu Gedichten im Stile Anakreons, versuchte Gleim, die Ballade im deutschen Sprachraum sesshaft zu machen. Spektakuläres leistete der unermüdlich am Plan einer Deutschen Literaurgesellschaft schmiedende Organisator Gleim. Von Halberstadt aus betrieb er ein weit verzweigtes Korrespondenznetz, in das über 500 Briefpartner einbezogen waren. Sein „Freundschaftstempel“ mit nahezu 150 Porträts bedeutender Zeitgenossen, seine Bibliothek mit über 11000 Bäden, die Kleinodien der deutschen Literaturgeschichte birgt, sowie seine Handschriftensammlung stellen wesentliche Quellen für Forschungen zum 18. Jahrhundert dar. Auch als Mäzen für junge Dichter ist Gleim aus der deutschen Kulturgeschichte nich wegzudenken. Anna Louisa Karsch, Johann Georg Jacobi, Gottfried August Bürger, Wilhelm Heinse, Johann Heinrich Voß, Johann Gottfried Seume und Jean Paul gehörten zu seinen Schützlingen.

Der Begriff „Anakreontik“ geht auf das Vorbild Anakreons aus Teos zurück, der in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Chr. lebte. Er ist in die Literaturgeschichte fälschlicherweise als Dichter des Weins, der Liebe und des Gesangs eingegangen. Von Anakreon selbst sind uns nur drei vollständige Gedichte und etwa 150 Fragmente überliefert. Sie widmen sich unterschiedlichen Themen, so auch dem Wein und der Liebe. Die Bezeichnung Anakreontik aber geht auf 60 Gedichte von Anakreon-Epigonen aus späthellenistischer Zeit zurück. Diese, auch Anakreonteen genannten Texte wurden 1554 von Henri Estiennes publiziert. „Die strophenlose Odenform, der reimlose anakreontische Kurzvers, die Neigung zu anaphorischer Reimung, die liebevolle, oft allegorisch-verblümte Darstellung kleiner poetischer Gegenstände und die ihnen angeglichene, leichte, jedes bedeutungsschwere Wort scheuende Sprache“ sind kennzeichnend für die von Estienne publizierten anakreontischen Strophen.
Freilich wäre es falsch, den Sängern des Weins und der Liebe, wie dies zeitgenössische Kritiker taten, Alkoholismus und Werbung für häufig wechselnden Geschlechtsverkehr, nachzusagen. Es handelte sich nicht nämlich nicht um Erlebnisgedichte, die Feier fand im Gedicht, nicht in der Realität, statt.
So formulierte Friedrich von Hagdedorn in seinem Gedicht „An die heutigen Encratiten“:
Zu altdeutsch trinken, taumelnd küssen
Ist höchstens nur der Wenden Lust:
Wie Kluge zu geniessen wissen
Verbleibt dem Pöbel unbewusst,
Dem Pöbel, der in Gift verkehret
Was unserm Leben Stärkung bringt,
Und der die Becher wirklich leeret,
Wovon der Dichter doch nur singt.“
Auch Johann Peter Uz wollte dieser Art des realen Genusses den biederen Bürgern überlassen:
Trinkt euern Wein in Ruh
und schlaft bei euern Weibern.
So nutzt ihr doch dem Vaterland
Und wenigstens mit euern Leibern.“
Die erste größere Publikation aus der Mitte der halleschen Anakreontiker war die 1746 publizierte Übersetzung der Anakreonteen unter dem Titel „Die Oden Anakreons in reimlosen Versen“. Dies war ein Gemneinschaftswerk von Götz und Uz. Die erste Publikation mit eigenen anakreontischen Texten stammt von Gleim. Sie kam 1744 anonym unter dem Titel „Versuch in Scherzhaften Liedern“ heraus und fand rasch Verbreitung. Somit wurde Gleim als „deutscher Anakreon“ gefeiert. Johann Nikolaus Götz folgte Gleim 1745 mit dem „Versuch eines Wormsers in Gedichten“, ebenfalls anonym erschienen. Uz schließlich publizierte 1749 seine „Lyrischen Gedichte“. Sie wurden von Gleim herausgegeben. Hier findet sich die Ode „Die lyrische Muse“ mit den folgenden Versen:
„Denn nur von Lust erklingt mein Saitenspiel,
Und nicht von Leichen vollem Sande
Und kriegrischem Gewühl
Und vom gekrönten Sieg im blutigen Gewande.
Uz‘ Muse gibt sich – im Gegensatz zu der seines Freundes Gleim – ebenfals betont unkriegerisch. „Krieg und Helden sind kein Stoff für meine Lieder“, schreibt er 1757 nach Halberstadt. Selbst in seiner Ode „Das bedrängte Deutschland“ lautet die letzte Strophe:
„Doch mein Gesang wagt allzuviel!
O Muse! Fleuch zu diesen Zeiten
Alkäeus kriegrich Saitenspiel,
Das die Tyrannen schalt
und scherz auf sanften Saiten.“
Reduziert man Aufklärung auf Begriffe wie Selbstdenken und Vernunftprimat, wird man die Anakreontik wohl schwerklich zu ihr rechnen können. Begreift man jedoch Aufklärung als eine Bewegung, die auf Geselligkeit, auf Emanzipation des Gefühls, auf sinnlichen Genuss, auf Kultur und Zivilisation im weitesten Sinne aus war, also auch auf Schönheit und deren Kraft insistierte, dann war Anakreontik Aufklärung par excellence.

2. Waldecker Goethe-Tag

Dutzende Besucher kamen in den Ort, um an einer Buchenwanderung teilzunehmen oder Anekdoten über Johann Wolfgang von Goethe zu lauschen.

Waldeck. „Morgen gehen wir über Jena nach Waldeck, wilde Gegenden und einfache Menschen aufsuchen“, soll Johann Wolfgang von Goethe einst gesagt haben. Mindestens vier Aufenthalte Goethes in Waldeck sind nachgewiesen (1775, 1776, 1780 und 1826), weshalb eine ganz klare Verbindung zu dem Ort besteht. Auch muss er sich als „junger Wilder“ hier sehr wohl gefühlt haben. Wohler als am Hofe, sagt Bürgermeister Roland Panitz und berichtet über Episoden, welche sich hier mit dem Dichter zugetragen haben sollen. So kann er von nachweislichen Weihnachts- und Silvesterfeiern mit seinem Jugendfreund Justin Bertuch erzählen, vom Schlittschuhlaufen des Dichters, damals noch als „Schreitschuhlaufen“ betitelt. Einmal mussten Goethes „Schreitschuhe“ extra noch von einem Boten aus Weimar geholt werden! „Hier hat Geschichte stattgefunden, Waldeck findet nicht umsonst in einigen Werken Goethes Erwähnung. Wir Waldecker bekennen uns zu Goethe“, so der Bürgermeister.
Daher lag es nahe, dass genau hier auch ein Goethetag abgehalten werden soll. Die nunmehr zweite derartige Veranstaltung, exakt an Goethes 267. Geburtstag, lockte trotz der Hitze wieder zahlreiche Besucher an. Sie wurden zunächst von den Buchenbrummern begrüßt, ehe Revierförster Paul Erpel gemeinsam mit dem Bürgermeister und Wolfgang Jeschoneck zur Buchenwanderung einlud. Gleichzeitig sorgte Bernd Kempter in einem Gewand aus Goethes Zeiten mittels Rätsel dafür, dass bei den Dagebliebenen keine Langeweile aufkam. Er vertrat gemeinsam mit Dörthe Rieboldt die Goethe-Gesellschaft Gera auf elegante wie kurzweilige Art. Auch der Stadtrodaer Autor Werner Gutjahr brachte sich in den Lesewettstreit ein. Dieser fand jedoch erst nach der Rückkehr der Wanderer und der offiziellen Eröffnung des Goethetages durch Schirmherr Andreas Heller ihren Höhepunkt. Im Märchenzelt unterhielt Erzählerin Otti Planer die jungen Besucher mit allerlei kurzweiligen und spannenden Märchen. Vor dem Zelt sollten alte Kinderspiele wieder in Erinnerung gerufen werden.
Veit Höntsch / 29.08.16 / OTZ

In der Residenz der Babenberger

Ausflug am 11. Juni 2016 nach Bamberg

Nachdem wir bereits im vorigen Jahr viele Sehenswürdigkeiten Bambergs besichtigt hatten und ein allgemeiner Wunsch damals laut wurde, noch mehr zu sehen, fuhren wir in die ehemalige Residenz der Babenberger – diesmal mit den Erfurter Goethefreunden.

Uns erwarteten wiederum einige Mitglieder des befreundeten Kulmbacher Literaturvereins. Unter bewährter Führung von Klaus Köstner besichtigten wir viele bemerkenswerte Häuser der Altstadt – UNESCO-Kulturerbe. Wer wollte, besuchte ebenso das Diözesan-Museum. Leider war der Dom wegen einiger Hochzeiten stundenlang geschlossen. Wir verschoben daher die Abfahrtszeit unseres Busses, so dass einige interessierte Reiseteilnehmer doch noch diesen imposanten Sakralbau mit dem berühmten Bamberger Reiter besichtigen konnten.

Ausnehmend gut gefiel uns der lauschige Rosengarten. In einer urigen Kneipe stärkten wir uns, bevor wir die Heimfahrt antraten.

Es war ein sehr entspannter, kurzweiliger Ausflug, der im Bus mit Liedern beendet wurde. Allerdings waren die meisten doch geschafft von dem langen Tag, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Unser Klaus, Ehrenmitglied der Geraer Gesellschaft, sandte Kemters noch folgendes „Telegramm“ nach:

*Guten Morgen, Ihr beiden Lieben!*

*Kamt auch Ihr gut heim? Es war für uns eine besondere Freude, Euch wieder
ein Stück unserer geliebten Stadt Bamberg zeigen zu dürfen. Ihr wart ein
reizendes, hoch interessiertes Publikum, das man sich nicht besser wünschen
kann! Selbst den obligatorischen Regenguss habt hoffentlich auch Ihr gut
überstanden! Und die Begegnung mit Euch ist für uns jedes Mal sehr
bewegend, da wir Euch in unser Herz geschlossen haben!*

*Deshalb freuen wir uns sehr auf das Wochenende in Waldeck und hoffen, es
kommt nichts dazwischen!*

Die Liebe ist ein außerirdisches Verhältnis – Berliner Salons

Vortrag von Otti Planerer, Gera, am 7. Juni 2016

Die bislang eingeengte Form der Geselligkeit änderte sich allmählich nach dem Siebenjährigen Krieg. Schon die Eltern der Humboldts luden wie die Familie Mendelssohn zu geselligen Abenden ein – ohne Beachtung der Standesschranken. Es wuchs das bürgerliche Selbstwertgefühl. Die Aufklärung beförderte den Adel des Geistes, Frauen beschritten allmählich den Weg der Emanzipation. So standen denn auch Damen – die Salonnieren – im Mttelpunkt der Zusammenkünfte. Die Berliner Salons, Henriette Hertz, Rahel Levi (Varnhagen von Ense), Nicolai, erwarben rasch eine besondere Bedeutung, sie wurden Vorbilder anderenorts.

So waren bei der Hertz Tieck, die Schlegel, Jean Paul, Jean Paul, Schadow, Schiller und Schleiermacher zu Gast, ebenso Prinz Louis Ferdinand von Preußen, der 1806 in der Schlacht bei Saalfeld fiel.

Frauen zählten zu den Stammgästen, sie waren gleichberechtigte Gesprächspartnerinnen, konnten also öffentlich debattieren. Dies war neu. Die Damen traten auch als Musikerinnen, Autorinnen, Malerinnen und Übersetzerinnen auf.

Gepflegt wurde die Kunst des Gesprächs. Diskutiert wurden Kunst, Literatur, Politik, Wissenschaft, und auch der Stadtklatsch kam zu seinem Recht. Man las auch gemeinsam aus neuesten literarischen Werken. Neben all dem bildete sich ebenso eine reiche Briefkultur heraus.

Fanny Lewald, eine Autorin jener Zeit, deren Werke heutzutage vergessen sind, schrieb: Nicht der Geist ist es, der unsern Gesellschaften fehlt, sondern die Liebe und die wahre Teilnahme. Unsere Gesellschaft ist mehr oder weniger egoistischer geworden. Die Menschen wollen empfangen und nicht leisten, wollen sich unterhalten lassen und nicht unterhalten, wollen für den Aufwand an Geld und Zeit, den die Gesellschaft sie kostet, etwas haben, was Parade macht. (wie aktuell!)

Und weiter:

Die Menschen sind Sklaven der Autorität geworden und haben es darüber verlernt, selbst zu denken, selbst zu suchen und das Geistige zu entdecken, wo es sich zu regen beginnt; ja, es auch nur da zu erkennen, wo es sich bereits entfaltet hat.

Hertz galt als anmutig, Levi eher als „männlich“, jedenfalls galt sie als eine „tapfere Frau“. So weigerte sich Levi, für den Bau des Neuen Museums, ihr Wohnhaus preiszugeben, für das man ihr die günstigsten Konditionen anbot. Erst nach ihrem Tod sollten sie – billig – alles haben. Immerhin trat sie schon einen kleinen Teil ihres Grundstücks ab. Der König akzeptierte dies. Die Levi kannte alle bedeutenden Männer ihrer Zeit. In ihrem Garten verlobten sich übrigens Bettina Brentano und Achim von Arnim. Donnerstags empfing Rahel Varnhagen van Ense (Levi) ihre Gäste zum Diner, samstags zum Tee, den sie selber zubereitete und reichte. Die Levi betrieb auch Armenpflege.

In einem Brief an Baron Friedrich de la Motte Fouque (Verfasser von Ritterromanen und -märchen) äußerte sie, Liebe sei ihre tiefste Überzeugung, sei ein außerirdisches Verhältnis. Sie verscheuche all das Graue, Erstickende, sei die helle Sonne. Ein besonderes liebevolles Verhältnis entwickelte sich zu Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Der lästerte über Goethe, wie schlecht doch dessen „Egmont“ sei. Eine „miserable Liebschaft“ verkörpere doch solches „Klärchen“. Levi antwortete darauf nicht. Es trat ein Sinneswandel ein, als er Goethe traf. Er legte sich auf dessen Bett, Goethe stand davor, beim Punsch sei er aufgetaut und habe gesehen, was Goethe doch für ein großartiger Mann sei. Jetzt erst sei er es wert, Goethe zu lesen, schrieb Levi an den Prinzen.

Auch Bettina (sie schrieb lieber von sich: Bettine) führte ein offenes Haus. Sie hatte vielseitige Interessen. Seit ihrer Kindheit zeichnete sie ein satirisches Mutwillen aus. Sie strebte die Vereinigung der Königtums mit der Demokratie an.

Berühmt wurde ihr Buch „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“. Es war für die „Guten“ und nicht für die „Bösen“ gedacht. Kanzler Müller riet ihr, dies und jenes wegzulassen, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Doch sie weigerte sich: „Lassen Sie alles stehen, wie es ist, denn es hat seinen Wert.“

Jeder Einzelne gestaltet die Gesellschaft und trägt Mitschuld an ihren Übelständen, meinte sie.

Bettina führte den Salon der beiden Rahel (Levi) und Karl August Varnhagen von Ense nach deren Tod weiter.

Protokoll der Jahrestagung deutscher Goethe-Gesellschaften in Gera

Treffen der Ortsvorstände deutscher Goethe-Gesellschaften vom 5. bis 8. Mai 2016 in Gera, Sparkassen-Kommunikationszentrum

Protokoll zur Arbeitssitzung

6. Mai 2016, 9 bis 12 Uhr

Begrüßung

Der Vorsitzende der Geraer Goethe-Gesellschaft (GGG), Bernd Kemter, begrüßt die Teilnehmer und informiert zur Tagesordnung. Er macht auch auf den Büchertisch mit Publikationen von Mitgliedern der GG Gera aufmerksam und auf die Präsentationen von Sponsoren. Des Weiteren verweist Kemter auf die von historischen Persönlichkeiten geführten Rundgänge durch Gera und das Begleitprogramm, das zum Goethe-Ort Waldeck im Saale-Holzland-Kreis, zum Musenhof nach Löbichau und in die dortige Wismut-Region führt, zur Burgruine Reichenfels sowie nach Zeulenroda mit Staudammbesichtigung und Besuch im Bio-Seehotel.

Bericht aus Weimar

Der Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar, Dr. Jochen Golz, berichtet in seinem Rückblick auf das Jahr 2015 vom Tag der offenen Tür im Juni und vom seit Jahren unternommenen Versuch, ein wissenschaftliches Projekt zur Geschichte der Goethe-Gesellschaft zu veranlassen. Am 12. Mai findet ein Arbeitsgespräch mit dem künftigen Projektleiter und seiner Mitarbeiterin in Weimar statt, danach wird ein Antrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft gestellt.

Golz kündigt die bevorstehende Hauptversammlung vom 7. bis 10. Juni 2017 in Weimar zum Thema: „Globalisierung als Chance? – Goethe und die Weltliteratur“ an. Alle vorgesehenen Referenten haben zugesagt, der Festredner ist gewonnen, zur Vorstandstagung am 21. Mai werde das wissenschaftliche Programm abgestimmt.

Das neue Goethe-Jahrbuch wird in der Weimarer Vortragsreihe der Goethe-Gesellschaft am 16. August vorgestellt. Prof. Berger (Aachen) wird über Goethe als Farbenlehrer und Experimentator sprechen. Am 17. September erinnert die Schauspielerin Gertrud Gilbert in einem Theaterstück an den Besuch von Charlotte Buff bei Goethe in Weimar vor 200 Jahren. Im November werden drei Stipendiaten – aus Usbekistan, Finnland und Indien – in der Vortragsreihe zu Wort kommen und ihre Projekte vorstellen.

Das neue Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft wird im Juni erscheinen und im Juli ausgeliefert werden. Ein großes Problem dabei sei nach wie vor die Finanzierung. Zwar ist 2015 ein Fonds dazu geschaffen worden, der die Situation zwar vorübergehend stabilisiert, das Problem aber auf Dauer nicht löst. Hilfe auch aus dem Kreis der Anwesenden wäre zu wünschen.

In Vorbereitung noch für dieses Jahr ist ein Buchprojekt mit Aufsätzen aus den Goethe-Jahrbüchern der letzten 15 Jahre zum Thema „Warum Goethe heute? – Zur Universalität seines Denkens“. Es soll mit 500 Stück aufgelegt werden und wird nicht im Buchhandel erhältlich sein. Gedacht ist es als Geschenk für Menschen, die als Freunde und Förderer der Goethe-Gesellschaft gewonnen werden sollen.

Zur 2015 gestarteten Werbeaktion, dass möglichst viele Ortsvereinigungen auch Mitglied in der Muttergesellschaft werden, wünscht Golz, dass es mehr sein könnten. Bisher sind 32 der 57 Ortsvereinigungen Mitglied in der Weimarer Gesellschaft.

Der neue Newsletter befindet sich derzeit in der technischen Herstellung; er enthält u.a. Beiträge über die Goethe-Gesellschaften Gera (Jahrestagung 2016), Gotha und Dessau (Bericht über die Festveranstaltung zum 90jährigen Jubiläum, zugleich Ausrichter der Jahrestagung 2018). Informiert wird dort auch über den Besuch von Goethe-Freunden aus dem französischen Valmy in Weimar. Dabei wurde die Idee vorgetragen, eine Goethe-Straße von Weimar nach Valmy als europäisches Kulturprojekt einzurichten. Stationen könnten Gotha, Eisenach, Fulda (derzeit leider noch ohne GG), Frankfurt/Main, Mainz (es gibt Bemühungen, dort eine GG zu gründen), und Trier sein. Im Rezensionsteil des Newsletters wird z.B. auf eine Publikation der OV Kassel hingewiesen.

Ortsvereinigungen können sich auf der von Dr. Petra Oberhauser betreuten Facebook-Seite der Goethe-Gesellschaft Weimar ebenfalls vorstellen, und zwar mit kurzen Fakten und vor allem mit Fotos. 2016 gibt es wieder vier Goethe-Akademien: Die erste zum „Faust“ war wieder überbucht, die zweite wird sich mit „Goethe im Rheinland“ beschäftigen, im September folgt „Goethe und Italien“, im Dezember eine Akademie zu Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“; alle Ortsvereinigungen erhalten zu den einzelnen Akademien jeweils 50 Prospekte.

Zudem verweist Golz darauf, dass der langjährige Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft Gotha, Dr. Christoph Köhler, von seiner Heimatstadt mit der Myconius-Medaille geehrt wurde.

Bericht aus Düsseldorf

Entfällt, da Prof. Dr. Christof Wingertszahn, Direktor des Goethe-Museums Düsseldorf, sich kurzfristig entschuldigt hat.

Bericht aus Frankfurt/Main

Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, Goethehaus Frankfurt/Main, verweist auf das Jahresprogramm und die Homepage des Goethehauses und des entstehenden Romantikmuseums. In ihren Ausführungen konzentriert sie sich auf das Thema der Jahrestagung, wie junge Menschen an Goethe herangeführt werden können. Dabei ist sie sich im Klaren, dass Goethehaus und Hochstift andere Möglichkeiten haben als die Goethegesellschaften. Doch „unser Abendveranstaltungsprogramm und die Mitgliederwerbung zielen nicht auf die junge Generation. Wir müssen uns konzentrieren auf junge Alte, die Zeit und Muße haben. Aber wir wollen Kinder, Jugendliche und Studierende anregen, dass sie später in Erinnerung haben, dass es sich lohnt, sich mit Goethe zu beschäftigen.“

Ausführlich berichtet Bohnenkamp-Renken über ein Hochstift-Projekt, das über zwei Semester gemeinsam mit 15 Studierenden gelaufen ist. Sie erkundeten dabei im Hochstift-Archiv Handschriften von Goethe, viele kleine noch unerforschte „Zettelgen“, die sie über Goethes Vielseitigkeit staunen ließen. Letztlich mündete die Forschungsarbeit in eine Ausstellung unter dem Titel „Unboxing Goethe“ (Goethe auspacken). Der Titel war von einer Internet-Aktion angeregt worden, wobei junge Leute in kleinen Filmchen verschiedenste Dinge auspacken und dies anderen mitteilen. In der Ausstellung mussten die Besucher die Vitrinen ‚auspacken‘, um die Ausstellungsstücke zu entdecken. Viele Jugendliche haben die Ausstellung besucht. Die Studierenden übernahmen ehrenamtlich Führungen für Schüler.

Ein zweites Frankfurter Projekt ist eine „Faust“-Edition im Internet. Dabei werden alle „Faust“-Handschriften Goethes, die zu 80 Prozent in Weimar lagern, zu 20 Prozent in aller Welt verstreut sind, übers Internet zugänglich gemacht. Da zugleich Transkriptionen eingeblendet werden können, sei dies eine gute Hilfe, Goethe entziffern zu lernen. Nach fünf Jahren Vorbereitungszeit steht jetzt eine so genannte Beta-Version, also eine Vorabveröffentlichung, im Internet: beta.faustedition.net. Sie wird in den nächsten Monaten noch überarbeitet und in eine 1-0-Version umgewandelt. Damit sind die „Faust“-Handschriften dann weltweit ohne Zugangsbeschränkungen einzusehen. Über den Zugang „Genese“ kann man auch über eine Zeitschiene in den Kosmos der Handschriften einsteigen, erklärt Bohnenkamp-Renken. Sie zeigt Vor- und Nachteile der Online-Edition auf und bittet um Rückmeldungen, welche kritische Resonanz die Beta-Version findet.

Zum entstehenden Romantikmuseum sagt Anne Bohnenkamp-Renken, dass infolge unvorhergesehener Schwierigkeiten, wie sie sich beim Abriss des Vorgängergebäudes herausgestellt haben, der geplante Eröffnungstermin in Frage stehe; wahrscheinlich sei ein Termin im Spätherbst 2019 oder erst 2020.

Für das Brentanohaus in Oestrich-Winkel ist die erste Renovierungsphase abgeschlossen.

2016 jährt sich zum 200. Mal das Erscheinen von Goethes Zeitschrift „Über Kunst und Altertum“. Ab dem 8. September soll es dazu eine Ausstellung geben, Titel: Von den Rhein- und Main-Gegenden zur Weltliteratur – Goethes Zeitschrift „Ueber Kunst und Alterthum“. Ihre Eröffnung ist Bestandteil einer Goethe-Festwoche.

Nahtloser Übergang in die Diskussion

Von der Erlanger GG kommt gleich im Anschluss an den Bericht aus Frankfurt/Main die Anregung, die Ausstellung „Unboxing Goethe“ auf Wanderschaft in die Ortsvereinigungen zu schicken. Anne Bohnenkamp-Renken verspricht, darüber nachzudenken. Sie gibt aber zu bedenken, dass die Betreuung durch die Studenten ein maßgeblicher Faktor für den Erfolg der Ausstellung war.

Hans-Günther Otto (GG Rudolstadt) verweist darauf, dass das Prinzip des ‚Unboxing‘ ja im Goethe- und Schiller-Archiv mit Vitrinen, die auf- und zugedeckt werden, bereits praktiziert werde. Anne Bohnenkamp-Renken warnt aber davor, die Besucher mit einer Fülle an Objekten zu überfluten. Die Konzentration auf Weniges verspreche die beste Wirkung.

Einladung für 2018 nach Dessau

In der weiteren Diskussion stellt Ingeborg Arnold (Anhaltische GG) das Jahresprogramm der 2008 neu gegründeten Gesellschaft vor. Sie hat derzeit etwa 50 Mitglieder. Für 2018 laden die Anhaltiner zur Jahrestagung nach Dessau ein, wo auf die Besucher mit dem Gartenreich Dessau-Wörlitz und der Bauhaus-Stiftung zugleich zwei Unesco-Welterbestätten warten.

– Kaffeepause-

Jahrestagung 2017 in München gut vorbereitet

Hans Brendel lädt für 2017 zur Jahrestagung der Ortsvorstände nach München ein, wenn die dortige Goethe-Gesellschaft zugleich ihr 100-jähriges Bestehen begehen kann. Zum Stand der Vorbereitungen teilt Brendel mit, es sei inzwischen so viel Sponsoren-Geld eingeworben worden, dass der Tagungsbeitrag selbst auf dem teuren Münchener Pflaster bei nur 90 Euro liegen wird. Auch zwei bezahlbare Hotels seien gefunden. Die Tagung werde im Literaturhaus stattfinden, die Arbeitstagung ist für den Freitag mit zweimal drei Stunden vorgesehen, für den Abend der Besuch des „Sommernachtstraums“ im Nationaltheater. Als Alternative ist das Münchener Lyrik-Kabinett mit einem speziellen Programm für Goethe-Freunde im Blick.

Der zweite Tagungstag soll der Region München in Richtung Alpen vorbehalten sein – mit einer Exkursion nach Murnau.

Abends laden die Münchener Goethefreunde wieder ins Hofbräuhaus ein und am Sonntag zu Weißwürsten, kündigt Hans Brendel an.

Erfurt stellt sich vor

Als Neuling im Kreise der Ortsvorstände der Goethegesellschaften stellt sich Dieter Schumann vor. Er ist neben seinem Beruf als Musiklehrer und seiner Tätigkeit als ‚Spielmann‘ auch Geschäftsführer der Goethegesellschaft Erfurt. Sie wurde am 21. Oktober 2014 im Schumannschen Wohnhaus in der Erfurter Altstadt neu gegründet. Den Vorsitz hat der Vorsitzende der Geraer OV, Bernd Kemter, übernommen. Derzeit hat die Erfurter Gesellschaft 42 Mitglieder.

Schumann verweist auf die Synergieeffekte, die das Zusammenwirken zweier Ortsvereinigungen mit sich bringt. So werden Ausflüge gemeinsam unternommen, die Buskosten geteilt. Auch für Referenten ist es von Vorteil, wenn sie an zwei Abenden hintereinander Vorträge in Erfurt und Gera halten. Die Entfernung von etwa 80 Kilometern stelle kein Hindernis dar.

Als Symbolpflanze hat die Erfurter GG die in Brasilien beheimatete Goethea gewählt, über die Sylk Schneider in seinem Buch über Goethes Beziehungen zu Brasilien und einem entsprechenden Vortrag viel Wissenswertes mitgeteilt hat. Insgesamt stehen im Erfurter Jahresprogramm neun Vorträge, die jetzt im Gildehaus Pavarotti stattfinden. Als „große Kiste“ bezeichnete Schumann das Vorhaben der Erfurter und Geraer, im Herbst eine gemeinsame Italienreise auf Goethes Spuren zu unternehmen,

Zum Ziel, die Vereine zu verjüngen, sagt Dieter Schumann: „Als Lehrer versuche ich, die junge Generation an Kultur heranzuführen. Ich habe auch über Deutschlehrer und andere versucht, sie für die Goethegesellschaft anzusprechen. Aber es gab bisher wenig Resonanz. Junge Leute reagieren sporadisch und haben keine Zeit.“

Die Goethegesellschaften sollten Schreibwerkstätten und die Arbeit mit Schüler-Theatergruppen unterstützen und darüber auch an die Öffentlichkeit treten, rät Schumann

Hallenser in Weimar

„Wir sind beiträtig geworden in der Goethegesellschaft Weimar“, gibt Prof. Hans-Joachim Kertscher aus Halle schmunzelnd kund. Sodann stellt er Dr. Heidi Ritter vor, die im Dezember 2015 in den Vorstand gewählt wurde, um die Geschäftsführung von Herrn Heller zu übernehmen. Von ihm richtet Kertscher Grüße aus. Ritter sei seit ihren Studienjahren mit der Goethegesellschaft verbunden. Die damals Dritte im Bunde, Christel Eichhorn-Berndt, ist jetzt Mitglied im Vorstand.

Hannover lebt weiter

Aus Hannover berichtet Peter Meuer, dass er bereits vor zweieinhalb Jahren angekündigt hatte, sein Amt niederzulegen. Wenn sich allerdings kein Nachfolger gefunden hätte, wäre die GG Hannover aufgelöst worden. Doch sie lebt weiter, weil die zweite Vorsitzende, Elke Kantian, motiviert gewesen sei, das Amt zu übernehmen. Am 12. April 2016 ist Elke Kantian zur neuen Vorsitzenden gewählt worden. Sie mache sicher alles anders, aber ebenso gut, schätzt Meuer ein.

Neue Vorsitzende in Naumburg

Weil Dr. Bernd Niemann, der die Naumburger Gesellschaft 1988 gegründet und bis Ende 2015 geleitet hatte, nach Berlin gezogen ist, kann er den Vorsitz nicht mehr führen. Als neue Vorsitzende stellt sich Dr. Irene Traub-Sobott vor. Sie ist seit 10 Jahren Mitglied der Ortsvereinigung Naumburg und viele Jahre lang stellvertretende Vorsitzende gewesen.

Die Naumburger unternehmen jedes Jahr eine Exkursion, diesmal werden sie Berlin besuchen, auch um ihren langjährigen Vorsitzenden zu treffen. Die GG Naumburg hat zwar nur 18 Mitglieder, doch blieb die Zahl über Jahre stabil. Zudem nimmt ein größerer Freundeskreis an den Veranstaltungen teil. Auch arbeiten die Naumburger Goethefreunde mit anderen örtlichen Vereinen zusammen, z.B. mit der Nietzsche-Gesellschaft. Als Zielgruppe sieht auch Dr. Traub-Sobott die ‚jungen Alten‘, denn „bei der Zusammenarbeit mit Schulen hakt es“. Die neue Vorsitzende ist von Beruf Mineralogin und hat sich von daher Goethe genähert, der neben vielem anderen auch Mineraloge war.

Trauer in Hamburg

Ragnhild Flechsig erinnert an das langjährige Hamburger Vorstandsmitglied Clemens Heithus. Er ist überraschend im September 2015 gestorben, die Goethefreunde haben erst viel später davon erfahren. Zudem informiert Flechsig, dass jetzt Dr. Uwe Petersen der stellvertretende Vorsitzende der GGH ist, der 2. Vorsitzende ist Heinz Grasmück, der in der Schulbehörde tätig war.

Neues Vorstandsgespann in Rosenheim

Für die Goethegesellschaft Rosenheim ist seit etwa einem Jahr Ulrich Noltenhans der neue Vorsitzende. Er stellt sich und seine Stellvertreterin, Dr. Barbara Mütter, kurz vor. Die Ortsvereinigung hat derzeit etwa 130 Mitglieder.

Goethe-Essen und „Werther“ als SMS am Hochrhein

Hansjoachim Gundelach stellt sich als Nachfolger von Dr. Lickert vor. Die GG Hochrhein/Waldshut-Tiengen ist im Jahr 2000 gegründet worden, hat etwa 100 Mitglieder. „Ich esse und koche gern“, gesteht Gundelach, deshalb gebe es Veranstaltungen, wo auch gegessen werde. So habe man Veranstaltungen mit einem Sternekoch organisiert und auch Goethes Geburtstag im vergangenen Jahr kulinarisch begleitet. Weil es geschmeckt hat, habe die Goethegesellschaft spontan viele neue Mitglieder bekommen, berichtet Gundelach.

Auch auf gute Zusammenarbeit mit der Schule kann die GG Hochrhein verweisen. So haben Goethefreunde den „Werther“ im Unterricht behandelt und dann den Schülern freien Umgang mit dem Stoff durch E-Mails und SMS gegeben; Gundelach verweist darauf, dass auch dieses Projekt mit einem Essen beendet wurde, mit Lavendelkuchen aus der Schulküche.

Geplant sind weitere Aktionen zu Goethe für Kinder, z.B.über Poetryslam und Filmprojekte mit dem örtlichen Kino. „Ich verwahre mich gegen die Aussage, wir machen nur was für Alte“, unterstreicht Gundelach.

Zwischenruf aus Nordenham: „Wir machen Veranstaltungen ‚Trinken mit Goethe‘.“

Jüngster Nachfolger in Kiel

Nach 16 Jahren als Vorsitzender macht Bodo Heimann sein Amt frei und übergibt es an einen jungen Nachfolger, „den jüngsten, den die Goethegesellschaft Kiel je hatte“, nämlich an den anwesenden Dr. Malte Denkert. Der 32-jährige ist Lehrer in Husum und hat bisher mit der Theodor-Storm-Gesellschaft zusammengearbeitet, was er möglichst mit der Arbeit in der Goethe-Gesellschaft verknüpfen möchte.

Faust für Kinder in Ulm

Vor drei Jahren hat Ernst Joachim Bauer in Ulm den Vorsitz der Goethegesellschaft übernommen, die derzeit 55 Mitglieder hat. Weitere zu gewinnen, strenge er sich an, aber für ihn stehe die Gemeinnützigkeit im Vordergrund und deshalb auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Als Buchhändler und Antiquar sieht Bauer die Aufgabe der GG auch darin, jungen Leuten die klassische Sprache nahe zu bringen, obwohl er sich nicht gegen Sprachveränderungen stelle.

Eine gute Möglichkeit, „mit Sprache ins Bewusstsein der Gegenwart zu gelangen“, sieht Bauer in den Veranstaltungen „Goethe für Kinder“ – gemeinsam mit zwei Bibliotheken und der Autorin Kindermann. Sie hat Goethes „Faust“ und etwa 30 andere Klassiker umgeschrieben für Kinder zwischen 9 und 13 Jahren, immer verflochten mit Original-Zitaten und Illustrationen von Klaus Ensikat. Bauer hegt die Hoffnung, dass dabei „ein paar Samen gefallen sind.“ Frau Kindermann könne auch von anderen GG gebucht werden, sei aber nicht ganz billig, so Bauer, und rät, hierbei über die Schulen zu gehen, Sicher ist er sich, dass solche Veranstaltungen den Kindern den Einstieg zu „Faust“ und anderen Klassikern sehr erleichtern. Die Ulmer wollen solch eine Veranstaltung noch mal mit einem Schauspieler angehen, was kostengünstiger sei.

Gera mit 2. Waldecker Goethetag

Kinder sollen auch beim 2. Waldecker Goethetag angesprochen werden, den die GG Gera gemeinsam mit der kleinen Goethe-Gemeinde Waldeck am Geburtstag des Dichters veranstalten will, berichtet Bernd Kemter. Dabei wird es Kinderspiele aus der Goethezeit geben, in einem Märchenzelt wird die Schauspielerin Otti Planerer, die Mitglied der GGG ist, Reinecke Fuchs und das Märchen von der Grünen Schlange vortragen, Zuwachs für den Verein erhofft sich Kemter daraus nicht, wohl aber, Kinder und Jugendliche auf ansprechende Art mit Goethe bekannt zu machen.

Neue Publikation in Chemnitz

Siegfried Arlt ( GG Chemnitz) berichtet, dass der Mineraloge Prof. Dr. Dr. Naumann als neues Mitglied für die GGC gewonnen werden konnte, ebenso der junge Germanist Philipp Restetzki als Betreuer der Bibliothek der GG, der in Kamenz unterrichtet, aber in Chemnitz wohnt.

Die Chemnitzer GG ist 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gibt es eine Publikationsreihe. Die Jahre 1926 bis 1945 sind bereits aufgearbeitet worden. Unter dem Titel „Wechselvolle Jahre“ erschien die zweite Folge, die die Zeit bis 1990 umfasst. In Arbeit sind jetzt noch die 25 Jahre bis 2015, die unter dem Titel „Zeit der Goldenen Spur“ erscheinen soll.

Weiterhin berichtet er über Projekte als Sprecherzieher an der städtischen Musikschule, mit Studenten und mit zwei Schülern (11 und 13), die auf die Moderation zu einem Konzert-Kaleidoskop vorbereitet werden. Zum Tag der Instrumente soll es auch eine Sprechbühne geben, deren Akteure sich mit Literatur beschäftigen. Arlt sieht darin eine Möglichkeit, das Interesse junger Leute zu wecken.

Des Weiteren verweist er darauf, wie wichtig die regelmäßige Medieninformation ist.

Briefe aus Heidelberg und aus Berlin

Zum Thema Nachwuchsgewinnung und Verjüngung der Goethegesellschaften trafen zwei Briefe aus Heidelberg (die OV konnte leider nicht an der Tagung teilnehmen) und aus Berlin ein, die Bernd Kemter verliest. Darin ging es um eigene Erfahrungen (Heidelberger Brief siehe Anlage).

Prof. Volker Hesse (Berlin) knüpft gleich an den Brief seiner Vorsitzenden an mit der Bemerkung: „Wir können ja keinen Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen.“ Im Lehrplan stehe zur Auswahl Wallace oder Goethe – klar, wofür sich viele Lehrer entscheiden. Dies sei sehr ernst zu nehmen und immer wieder zu versuchen, schon früh das Interesse für Klassik zu wecken.

Nordenham: Andere Kommunikationswege nutzen

Dr. Burkhard Leimbach (Nordenham) versucht, die Diskussion in eine andere Richtung zu lenken. Bisher ging es darum, welche Inhalte aus Goethes Werk sich eignen und wer unsere Adressaten sind, die wir in Veranstaltungen locken oder als neue Mitglieder gewinnen können. Nicht diskutiert worden sei, welche Kommunikationswege wir beschreiten und welche Auswirkungen das hat.

Meistens sei zu erkennen: „Wir wollen das Papier“. Die Antworten auf Leimbachs Umfrage unter den Anwesenden, wer eine wochenaktuelle Internetseite besitzt, wer twittert, Facebook und Youtube benutzt, halten sich sehr in Grenzen. Leimbach ist überzeugt: „Sobald wir dort erscheinen, werden sich die Gruppen selbst informieren.“ Es nütze nichts, Veranstaltungen mehrfach in Zeitungen anzukündigen, weil die Jugend sowieso keine Zeitung liest. „Wir können uns nur am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, wenn wir an die neuen Medien gehen“, stellt Leimbach fest und plädiert dafür, jemanden im Vorstand zu haben, der „internet-affin“ ist.

Eisenach: Besten Abi-Aufsatz prämieren

Gerhard Lorenz gehört seit 1999 der GG Eisenach an und hat 2014 den damaligen Vorsitzenden Volkmar Schumann abgelöst, war vorher Stellvertreter. Die GGE hat 140 Mitglieder, die sich einmal im Monat zu Vortragsabenden treffen sowie Tages- und Mehrtagesfahrten unternehmen. Als ehemaliger Schulleiter eines Gymnasiums weiß Lorenz, dass sich Schüler durchaus begeistern lassen, wenn man ihnen Goethe und andere Klassik auf spannende Weise nahe bringt. Beispielsweise gab es ein- bis zweimal im Jahr szenische Darstellungen mit Schülern, ein- bis zweimal Fahrten nach Weimar. Auch jetzt versuche er, die Kontakte zwischen Schule und Goethegesellschaft hochzuhalten. So wird der beste Abi-Aufsatz von der Goethegesellschaft prämiert und mit einer kleinen Laudatio bedacht. Die Wartburgsparkasse gewähre Unterstützung. Mit einer Regelschule wird eine kleine Theateraufführung vorbereitet zu Frau von Stein und Luise von Göchhausen. Im Thüringer Lehrplan setzte man noch auf gelebte Praxis.

– Ende der ersten Arbeitssitzung –

7. Mai 2016, 9 bis 11 Uhr

Nicht einkapseln

Hans-Ulrich Foertsch (Vest-Recklinghausen) zur Finanzierung des Goethejahrbuchs: Wir haben 2600 Mitglieder in Weimar und 7000 in den Ortsvereinigungen – und da sollen wir darauf angewiesen sein, dass andere uns helfen!? Um das Problem aus der Welt zu schaffen, sollten wir uns nicht einkapseln, sondern die Ortsvereinigungen sollten fürs Jahrbuch spenden. Wenn jede OV 50 oder 100 Euro im Jahr gäbe, wäre das Problem gelöst.

Seinem Beispiel folgend sollen Beitragspatenschaften vor allem für junge Mitglieder aus dem Ausland in der Weimarer Goethe-Gesellschaft übernommen werden; bei 30 Euro pro Student und Jahr wären das 65 Cent in der Woche, rechnet Foertsch vor.

Eine kleine Kritik („aber mit großer Zustimmung“) richtet Foertsch direkt an Dr. Golz, dem er rät, die Goethe-Gesellschaft „mit einer gewissen Enthemmung, lauter darzustellen“.

Goethe-Weg weiter führen

Hans-Günther Otto, Rudolstadt, regt an, es nicht beim Goethe-Weg von Weimar nach Valmy zu belassen, sondern auch Wege von Weimar in Richtung Böhmen und Schlesien ins Auge zu fassen. Es gebe schon den Goethewanderweg Weimar – Großkochberg. Dazu könnte auch der ADAC gewonnen werden.

Zwischenruf: Auch Reisebüros gewinnen, Analogie zum Jakobsweg. Auch Studenten einbeziehen ausländische Stipendiaten. Es gebe schon „Goethe in Hessen“.

Otto verweist auf die traditionelle Goethewanderung jeweils am ersten Sonnabend im Mai (also heute) von Weimar nach Großkochberg mit Bewirtung unterwegs und Bussen für jene, die nicht die gesamten 28 km laufen wollen/können. Daran nehmen Mitglieder der Rudolstädter OV teil; Otto rät auch anderen Ortsvereinigungen, dies zu nutzen.

Bernd Kemter ergänzt: Auch das Vermächtnis lokaler Dichter kann man für solche Wanderungen nutzen und zu entsprechenden Veranstaltungen benachbarte Ortsvereinigungen einladen.

Golz zu Thesen-Papier und OV-Situationen

Auf Anregung von Prof. Hans-Joachim Kertscher verliest Jochen Golz noch einmal die wichtigsten Stichpunkte aus dem Thesen-Papier, das, angeregt von der OV-Tagung 2015 in Hannover, von einer Arbeitsgruppe zusammengestellt wurde und allen Teilnehmern der Geraer Zusammenkunft in den Tagungsmappen überreicht wurde. Hauptinhalt ist, wie die Goethe-Gesellschaft in Weimar und die Ortsvereinigungen künftig produktiver zusammenarbeiten können.

Golz erläutert, wie das Papier entstanden ist und welche positiven Erfahrungen gesammelt wurden (Klassikseminare, Tagesfahrten, Jahrestagung der OV, Aktivitäten im Newsletter anzeigen, Geselligkeit und Zusammengehörigkeit in den OV).

Zudem zeigt Golz auf, warum Ortsvereinigungen aufhörten zu existieren – Tod des Vorstands (Hildesheim) oder Rücktritt aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen. In Bamberg wird versucht, wieder etwas aufzubauen. Neugründung in Erfurt gelungen durch das Engagement von Bernd Kemter (Gera). Besonders in einer so großen Stadt wie Stuttgart ist es ein schmerzlicher Verlust, dass Herr Mahl seine Tätigkeit eingestellt hat. Da dort weiterhin interessierte Mitglieder existieren, gibt es Bestrebungen, die OV neu aufzubauen. In Mainz laufen Gespräche über eine eventuelle Gründung. Die OV Magdeburg hat ihre selbständige Tätigkeit beendet und sich der dortigen Literarischen Gesellschaft angeschlossen. Für nicht wenige Ortsvereinigungen stellen die Raummieten ein Problem dar. Deshalb ist Gera wieder hoch zu preisen, weil wir hier im Sparkassensaal tagen können.

Erlangen kooperiert mit Volkshochschule

Heida Ziegler zeigt auf, dass die OV Erlangen durch die Kooperation mit der Volkshochschule nur dann Raummiete zahlen muss, wenn es sich um eine vereinsinterne Veranstaltung handelt, wie die Mitgliederversammlung. Die Aufwendungen bleiben bei 50 Euro im Jahr. Die VHS übernimmt die anderen Veranstaltungen der GG in ihren Veranstaltungskalender. Weil Tageszeitungen erst am Vortragstag ankündigen, testen die Erlanger derzeit, ob durch Anzeigen unter der Überschrift „Literatur, Kultur, Natur“ Interessenten auf die Goethegesellschaft aufmerksam gemacht werden können. „Immerhin haben drei Leute die Kleinanzeige gelesen“, erhofft sich Ziegler künftig noch mehr Resonanz.

Ulm: Besitzer von Räumen einbeziehen

Mit geringen Kosten oder kostenfrei kann die Goethe-Gesellschaft wirtschaften, wenn sie, so Ernst Joachim Bauer für Ulm und Neu-Ulm, „ihre Interessen mit denen von Raumbesitzern verbindet“. Wenn Musik im Spiel ist, können Kirchen oder kann die Aula eines Gymnasiums genutzt werden.

Zwischenruf aus Erlangen: „Kirchen kosten auch“.

Zur Ankündigung von Veranstaltungen nutzt Ulm „zwei sich gegenseitig bekämpfende“ Zeitungen.

Aue/Bad Schlema nutzt Hotels

In mehreren Hotels hat Konrad Barth die Goethegesellschaft vorgestellt, in zwei Hotels können kostenlos Veranstaltungen durchgeführt werden, mit der Maßgabe, dass die Mitglieder auch etwas verzehren. (So läuft das auch in Erfurt in einem Restaurant).

Einmal im Jahr zahlt die GG Aue/Bad Schlema 80 Euro an die Gästeinformation, die dann für die Veröffentlichung aller Veranstaltungen sorgt.

Dresdener Publikum hausgebunden

Die Dresdener GG ist zu Gast im Kügelgenhaus, organisiert die Veranstaltungen, die Stadt kassiert die Einnahmen. Die GG trifft sich auch im Kulturhaus Loschwitz am Blauen Wunder, aber dorthin kommen andere Besucher – ein spezielles Dresdener Problem; die Leute sind konservativ, das Stammpublikum ist an das Kügelgenhaus gebunden. Jürgen Klose, der Vorsitzende der Dresdener GG, setzt seine Hoffnung auf die neue junge Kulturbürgermeisterin, die das soziokulturelle Programm der Stadt verantwortet und dafür sorgen könnte, dass die Goethe-Gesellschaft an den Veranstaltungseinnahmen beteiligt wird.

Berliner jetzt im Zentrum

Volker Hesse berichtet: Berliner treffen sich nicht nur zum Vortrag, sondern sitzen hinterher noch etwas zusammen. Die Landesloge in Dahlem konnten sie ein Jahr lang kostenlos nutzen, dann war Geld zu berappen. So zogen die Goethefreunde in die Stadtbibliothek hinter dem neugebauten Schloss um, fanden damit auch ein neues Publikum. Auch hier ist die „Nachsitzung“ sehr wichtig. Derzeit etwa 200 Mitglieder.

Keine Unterstützung von der Stadt

Renate Arnold (Bergisch-Gladbach) klagt: Die Stadt unterstützt uns überhaupt nicht. Aber den Ratssaal haben wir umsonst für Mitgliederversammlungen.

Internetauftritt – ja oder nein und wie?

Dr. Jochen Golz lenkt die Debatte auf das Thema Internet-Auftritt. Wie können sich Ortsvereinigungen und Weimarer Gesellschaft im Netz gemeinsam präsentieren? Viele haben eine Homepage.

Aber ist eine Art Deckblatt/ eine gemeinsame Startseite günstig? Von Weimar aus sind schon alle OV erreichbar, aber ist es sinnvoll, wenn sich alle OV untereinander verlinken?

In der Diskussion wird darauf verwiesen, dass eine Internetseite auch Geld kostet und vor allem gepflegt werden muss, was Zeit erfordert. Es wird angeregt, dass von Weimar aus für alle, die noch keine Homepage haben, eine Art Muster-Seite organisiert werden könnte, die dann von den OV nur noch ausgefüllt und gepflegt werden müsste. Aber auch da steht die Frage, wer das machen kann. Dresden hat gute Erfahrung mit Facebook, um Mitteilungen zu verbreiten. „Unsere Mitglieder werden damit zwar eher nicht angesprochen, aber wir haben jetzt Freunde in Tblissi, Rio de Janeiro und Kagoshima“, berichtet Jürgen Klose. Ernst Joachim Bauer hält Facebook nicht für den richtigen Weg, vor allem des Datenschutzes wegen. Er sieht aber in einer Homepage die Möglichkeit, über Angebote der GG zu informieren.

Dr. Claudia Leuser (Nürnberg) verweist auf engagierte Studenten, die die Internetseite nach Vorgaben für ein Taschengeld pflegen. Gewinnung neuer Mitglieder über den Internetauftritt ist sehr unterschiedlich: Nürnberg drei bis vier, Erlangen nur eins, obwohl es dort gelungen ist, die Internetseite der GG mit der der Stadt zu verknüpfen. Renate Arnold (Bergisch-Gladbach) berichtet: Es gab ein paar Hundert Anfragen, keine Mitglieder, aber viele Gäste – 8 bis 15 pro Abend – für GG-Veranstaltungen. Auch haben viele Mitglieder zwar E-Mail, aber sie schauen nicht regelmäßig in ihren elektronischen Briefkasten.

In Rosenheim werden laut Ulrich Noltenhans alle Nachrichten per E-Mail verschickt, nur wer keine Internetadresse hat, bekommt herkömmliche Briefe.

Hans Brendel verweist auf die Hilfe von Studenten – sie zahlen dafür keinen Mitgliedsbeitrag.

Dr. Jochen Golz gibt zu bedenken, dass es ein Unterschied ist, ob wir unsere Mitglieder informieren wollen oder neue Mitglieder gewinnen. Letzteres funktioniert erfahrungsgemäß am Besten im persönlichen Gespräch. Für Informationen wird häufig das Internet genutzt, aber letztlich hat gerade die ältere Generation gern trotzdem noch Papier in der Hand. Für die Weimarer GG ist der Facebook-Auftritt ein gutes Mittel, um der Presse aktuelle Informationen bereitzustellen und mit dieser besser in Kontakt zu kommen.

Hans-Ulrich Foertsch (Vest-Recklinghausen) ist der Meinung: Wir müssen moderne Medien nutzen, um auf dem Level der Zeit zu bleiben, ob Goethe nun will oder nicht. Er stimmt jedoch Golz zu, dass der persönliche Einsatz besonders wichtig ist.

Gern in Weimar willkommen

Zudem greift Golz die Überlegung auf, ob Weimar Angebotspakete für die OVen offerieren sollte. Golz meint jedoch, dass in jedem Falle individuelle Absprachen mit der Besucherbetreuung der Klassik Stiftung notwendig seien. Davon unabhängig werde aber jede OV, die nach Weimar kommen möchte, bei der Vorbereitung gern unterstützt und auch in der Geschäftsstelle gern gesehen. Golz verbindet damit freilich zugleich die Hoffnung, dass einige doch auch Mitglied in der Muttergesellschaft werden. Auch Referenten für die jeweiligen Vortragsprogramme können empfohlen werden.

Ortsvereinigungen, die gute Reiseerfahrungen gemacht haben, sollten diese an die anderen weitergeben, regt Hans Brendel an, Die Münchener können z.B. solche von ihren Fahrten nach Polen und nach Wien vermitteln.

Über den Tellerrand schauen

Da das Thesen-Papier auf persönlichen Erfahrungen der Geraer/Erfurter und anderer Ortsvereinigungen beruht, fordert Dr. Golz Bernd Kemter auf, einiges dazu zu übermitteln.

Kemter greift zunächst auf, dass Kronach wohl nur noch Theaterfahrten organisiere, aber damit gute Erfahrungen in Großkochberg und Bad Lauchstädt gemacht habe.

Die Geraer Ortsvereinigung versucht, im Zusammenwirken mit der Stadtbibliothek und mit Buchhandlungen, durch öffentliche Lesungen auch ein junges Publikum anzusprechen. So ist eine Lesung „Aus Mephistos Tagebuch“ geplant. Aber auch Lesungen zu Autoren wie Klopstock, Hölderlin oder Nietzsche finden großen Zuspruch. Derzeit wird eine Lesung zu Ludwig Börne vorbereitet.

Sehr ansprechend und öffentlichkeitswirksam waren Vorträge von Mitgliedern anderer GG, wie Andreas Rumler oder Egon Freitag, ferner die Aufführung vom Theater der Dämmerung Düsseldorf mit „Faust I“. Es gibt Überlegungen zu Schatzsuche und Poetryslam, um Kinder und Jugendliche für Goethe und darüber hinaus für Literatur allgemein zu interessieren.

Gemeinsam mit dem Partner-Goethe-Ort Waldeck wird für den 28. August der 2. Goethetag als Volksfest vorbereitet, wo es u.a. um Goethes ‚merkwürdige Worte‘ gehen wird, Kinderspiele aus der Goethezeit und eine Wanderung mit Goethe-Bezug sind geplant. Auch Flüchtlinge und Aussiedler beziehen die Geraer in ihre Arbeit ein.

Sehr gut findet Kemter die „Fundstücke“ zu Goethe, die Peter Krüger-Wensierski von Köln aus via Internet auf die Reise schickt.

Mit einem Dank an die GG Chemnitz, die vor zehn Jahren Pate stand bei der Gründung der GG Gera, regt Kemter an, darüber zu diskutieren, wer wo Pate sein kann für die Neugründung einer Ortsvereinigung in der Nachbarschaft.

Zusammenwirken mit Schulen

Siegfried Ziegler, Erlangen, sieht eine Chance für die Goethegesellschaften im Zusammenwirken mit den Schulen und glaubt, dass der Aufwand dafür nicht besonders groß sei. Über das Rektorat bzw. das Referat Deutsch könne die OV einen Auftritt planen mit einem Goethe-Schauspiel oder einer Doppelstunde etwa zum Thema „Zauberlehrling“. Für das Fach Kunsterziehung denkt Ziegler an das Anfertigen von Silhouetten, wie es zur Goethezeit im Gebrauch war. Ziegler will Derartiges in Erlangen versuchen.

Literarischer Salon in Marienbad

Anknüpfend an Kemter bekräftigt Siegried Arlt (Chemnitz), dass das Bestreben vor zehn Jahren, eine Geraer GG ins Leben zu rufen, von beiden Seiten von Herzen kam. „Und es ist ja auch was rausgekommen, nun sogar noch in Erfurt“.

Zudem sind die Chemnitzer Goethefreunde seit Jahren aktiv im tschechischen Marienbad mit einem literarischen Salon, in dem sich Schiller und Goethe treffen und sich auf originelle Weise bekannt machen. Das hat einen großen Kreis von Interessenten gefunden, berichtet Arlt. Die Chemnitzer sind auch dabei, wenn der Direktor des Goethe-Museums Marienbad zum dritten Mal zum Literaturfest mit tschechischen Literaten und Schauspielern einlädt.

Auch dem Ruf um Unterstützung bei der Gründung einer Goethegesellschaft in Karlsbad werden die Chemnitzer Goethefreunde folgen.

Sollten wir als GG einen Preis verleihen

Als weiteren Punkt aus dem Thesenpapier warf Golz die Frage „Sollten wir als Goethegesellschaft einen Preis verleihen?“ in die Debatte. Das trage zur weiteren Bekanntheit der Goethegesellschaft bei.

Einen Goethe-Preis gibt es allerdings schon: in Frankfurt/Main. Könnte es also vielleicht der „Divan-Preis“ werden? Wer soll dafür ausgewählt werden? Literaturpreise gibt es viele, aber zu wenige für moderne Lyrik. Zu bedenken ist jedoch, dass nicht nur ein Preisgeld erforderlich ist, sondern auch eine Jury, die sich intensiv mit verschiedenen Arbeiten auseinandersetzen muss. Als weitere Fragen stehen: Wer vergibt den Preis? Wann? Wenn die GG Weimar ihre Goethe-Medaille nicht entwerten will, kann anlässlich der Hauptversammlungen kein Preis verliehen werden, sondern allenfalls in den Jahren zwischen den Hauptversammlungen, wenn sich die Ortsvereinigungen in einer deutschen Stadt treffen. Wer bezahlt bzw. besorgt das Preisgeld? 10 000 Euro sollten es für Lyrik schon sein.

Für Weimar, so Golz, sei vor allem wichtig, das Jahrbuch auf Dauer zu finanzieren und weiterhin dafür zu sorgen, dass Stipendiaten nach Weimar eingeladen werden können. Insofern stehen wir zusätzlichen finanziellen Aufwendungen sehr skeptisch gegenüber, müssen uns auf die Bewältigung unserer beiden Hauptaufgaben konzentrieren.

Hans-Günther Otto (Rudolstadt) erhielt für seine Anmerkung „Ich sehe keine Notwendigkeit für einen solchen Preis. Das Geld soll lieber für Stipendiaten ausgegeben werden“ viel Beifall und kürzte damit die Debatte zu diesem Thema ab. Allerdings kam noch der Hinweis, Übersetzungen von Goethegedichten ins Blickfeld zu rücken. Bernd Kemter warf seinen Gedanken ein, kleine Theater zu würdigen, die klassische Stücke aufführen. An die Ehrung solle kein Geld geknüpft sein, vielmehr könne sie aus einem Pokal in Form einer Goethea (brasilianische Orchidee) bestehen, der dann im Theater ausgestellt werden kann.

Golz: Skeptisch, optimistisch, ermutigend

Zusammenfassend zeigt sich der Präsident der GG in Weimar, Jochen Golz, erfreut über die Atmosphäre der Tagung, über die produktive Gemeinsamkeit und die vielen guten Ideen, sei es „Faust“ für Kinder, Essen und Trinken mit Goethe oder der Kampf gegen Bildungsschwund. Zu letzterem Punkt ist Golz allerdings skeptisch, denn das erfordere intensive Lobbyarbeit, um in engem Kontakt mit den Bildungsministerien der Bundesländer messbare Erfolge zu erreichen; nicht überall gebe es durch persönliche Beziehungen so glückliche Umstände wie in Heidelberg oder Hamburg. Besonders die Hamburger Klassikseminare verdienen Nachahmung, unterstreicht Golz.

Für Weimar versichert er: Wir versuchen den Newsletter als aktuelle Goethe-Zeitung zu gestalten. Beispielsweise geht es in der nächsten Ausgabe um Bücherspenden für die Ungarische Akademie der Wissenschaften und eine ungarische private Goethesammlung. Solche Berichte stärkten auch das Selbstwertgefühl der Weimarer Muttergesellschaft. Zudem solle die Flüchtlingsdebatte und das Verständnis für andere Kulturen anhand von Goethes Divan diskutiert werden. Außer dem Newsletter will Weimar aber bei Printmedien bleiben, weil viele Goethefreunde auch gern etwas in der Hand haben.

Für die Zukunft sieht Jochen Golz zwei Ziele der Goethe-Gesellschaften: Unsere Grundaufgabe ist es, Menschen an Goethe heranzuführen, junge, ältere, mittleren Alters. Und das können wir nur anstreben, wenn wir eine ordentliche Mitgliederbasis und damit entsprechende Finanzen haben. Junge Menschen kommunizieren heutzutage eher frei in sozialen Netzwerken und lassen sich nicht gern in Vereinsstrukturen einbinden. So ist es erstaunlich, dass immer noch so viele Menschen zu uns kommen, und zugleich ermutigend für uns alle.

Protokollantin

Angelika Kemter