Goethe Gesellschaft Gera e.V. » Rückblick

„Die Modernität von Goethes Werther“,

Vortrag von Prof. Uwe Hentschel, Berlin, am 4. September 2013

„Werther“ ist ein empfindsamer Roman. Seinerzeit wurde er unter dem Aspekt der Trivialisierung gelesen. Hentschel beschäftigt sich mit dem Text als Literaturhistoriker und hebt auf Allgemein-Menschliches ab. Können wir dem Text den Aspekt Modernität auferlegen? Was ist Modernität?
Der Begriff „Moderne“ stammt aus der Literatur, er wurde von Eugen Wolf 1886 geprägt. Nach dem Krieg von 1871 und mit den Gründerjahren verändert sich vieles in Deutschland. Die Städte explodieren. Es gibt viel Neues, auf das die Literatur Bezug nimmt. Allerlei „Ismen“ entstehen, zum Beispiel Naturalismus, Expressionismus, Dadaismus. Diese Prozesse beziehen wir auf die Moderne. Aber: Gab es die „Moderne“ nicht schon Ende des 19. Jahrhunderts?
Man mnuss durchaus nicht in modernen Verhältnissen leben, um modern zu denken. Noch altertümlich vorherrschende Verhältnisse vermögen durchaus, moderne Gesinnungen zur produzieren. Dies ist auch beim „Werther“ der Fall. Poetisierender individualistischer Geist schafft gegen nüchternen Gemeinsinn ein Spannungsfeld. Dichter nehmen ihre Begriffe aus der Natur (gemeint in weiterem Sinne); entweder setzen sie die Begriffe hierzu selbst oder begeben sich auf die Suche. Goethe und Schiller suchten dieses Idealische in der Antike. Hier herrscht noch eine sinnliche Einheit, Vernunft und Gefühl haben sich noch nicht getrennt ‚(naive, gleich nachahmende Dichtung). In der Gegenwart sieht dies anders aus: In ihr herrschen Entfremdung, Vereinzelung. Daraus erwächst das Bemühen, die ursprüngliche Einheit wieder zu erreichen (sentimentalische, gleich reflektierende Dichtung). Auf diesem Feld beginnt somit schon Ende des 18. Jahrhunderts die Moderne. Sie ahmt die homerische Betrachtung der Welt nach und wird auf diese Weise klassisch. Die Suche nach der Natur des Eigentlichen ist der wahre Beruf des Dichters; alles andere, im heutigen Sinne auch die belanglosen trvialen Fernsehprogramme der Privaten, sind nichts als geistloser Sinnengenuss, wo der Mensch nie zu sich kommen kann.
Moderne Dichter müssen sich folglich auf die Suche begeben, das Gegenbild zur Wirklichkeit – das Ideal – auf elegische idyllische oder satirische Weise gestalten. Die Elegie betrauert den Verlust, die Idylle zeigt das Vergangene, das noch im Bewusstsein existiert, die Satire kritisiert (und belustigt sich über) den Gegensatz. Im Schiller’schen Sinne gilt es immer, das Ideale zu bewahren. Ab diesem Punkt beginnt moderne Literatur. Somit ist der „Werther“ schon ein moderner Roman. Dadurch werden Gegenbilder geschaffen zum funktionierenden zivilisierten Europäer. Die Gegenbilder sprechen eigentlich gegen die bestehende Welt, weil sie solcher Gegenbilder bedarf.
Briefe Goethes zur Werther-Zeit widerspiegeln diesen Anspruch an das Ideale, ebenso „Zum Shakespeare-Tag“. Zu den beklagten Gegensätzen gehört insbesondere der zwischen dem Leben in der Stadt und auf dem Lande.
Dem prätendierten Ich folgt unweigerlich das Scheitern. Das Ideal wird postuliert, der notwendige Gang der Geschichte schließt sich an. Was ist das moderne Ich? Etwas dieser Welt entgegen zu setzen.
Es gibt Augenblicke in unserem Leben, wo wir der Natur in Pflanzen, Mineralien, Tieren, Landschaften sowie der menschlichen Natur in Kindern, in Sitten des Landvolks und der Urwelt begegnen; nicht, weil sie unseres Sinnen wohltut, auch nicht, weil sie unseren Verstand oder Geschmack befriedigt (von beiden kann oft das Gegenteil stattfinden), sondern bloß, weil sie Natur ist, eine Art von Liebe und und rührender Achtung darstellt. Jeder feinere Mensch, dem es nicht ganz und gar an Empfindung fehlt, erfährt dieses, wenn er im Freien wandelt, wenn er auf dem Lande lebt oder bei den Denkmälern alter Zeiten verweilt; kurz, wenn er in künstlichen Verhältnissen und Situationen vom Anblick der harmonischen Natur überrascht wird.
„Wir waren Natur wie sie, und unsere Kultur soll uns, auf dem Wege der Vernunft und der Freiheit, zur Natur zurückführen.“ (Schiller: Über naive und sentimentalische Dichtung, 1795)
Die Dichter sind überall, schon ihrem Begriffe nach, die Bewahrer der Natur. Sie werden entweder Natur sein, oder sie werden die verlorene suchen (ebd.)
Nochmals zum zusammenfassenden Vergleich: Antike ist das Ideal, die Natur zeichnet sich durch Unschuld, Ganzheitlichkeit aus. Das Naive, Nachahmende führt zur Klassischen Poesie. Dagegen herrscht in der Gegenwart eine Kultur der Vereinzelung und der Entfremdung vor. Daraus resultiert Prosaische Literatur, die vor allem „geistlosen Sinnengenuss“ erzeugt. Andererseits entsteht sentimentalische reflektierende Literatur; eine Moderne Poesie, die sich elegisch, idyllisch oder satirisch gibt.
Schiller meint hierzu: „Solange der Mensch noch reine, es versteht sich, nicht rohe Natur ist, wirkt er als ungeteilte sinnliche Einheit und als ein harmonisierendes Ganze. Sinne und Vernunft, empfangendes und selbsttätiges Vermögen, haben sich in ihrem Geschäfte noch nicht getrennt (…)“ – Anzustreben ist „das stille schaffende Leben, das ruhige Wirken aus sich selbst, das Dasein nach eignen Gesetzen, die innere Notwendigkeit, die ewige Einheit mit sich selbst.“ (…) Ist der Mensch in den Stand der Kultur getreten, und hat die Kunst ihre Hand an ihn gelegt, so ist jene sinnliche Harmonie in ihm aufgehoben, und er kann nur noch als moralische Einheit, d. h. Nach Einheit strebend sich äußern. Die Übereinstimmung zwischen seinem Empfinden und Denken, die in dem ersten Zustande wirklich stattfand, existiert jetzt bloß idealisch; sie ist nicht mehr in ihm; sondern außer ihm, als ein Gedanke, der erst realisiert werden soll, nicht mehr als Tatsache seines Lebens.“
B. Kemter

27. August 2013 Vortrag von Dr. Friedrich Schorlemmer

„Von den Fesseln des Marxismus in die Fallen des Marktismus. Gier als Prinzip“, Vortrag von Dr. Friedrich Schorlemmer, Wittenberg

Am 27. August 2013, dem Vorabend von Goethes Geburtstag, luden wir zu einem Vortragsabend mit dem prominenten ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Dr. Friedrich Schorlemmer in den Saal des Kompetenzzentrums der Geraer Sparkasse ein. Entgegen jeglicher Skepsis des Vorstandes war der Saal proppenvoll; nachdrücklicher Beweis dafür, dass wirtschaftspolitische Themen durchaus auf Interesse stoßen. Schorlemmer führte vor Augen, dass der Staatssozialismus nicht in der Lage war, seine wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Ein Weltsystem, das die Geschichte neu anzufangen sich angeschickt hatte, ist gescheitert – an sich selbst und an der Konkurrenz mit einem effizienten Kapitalismus. An die Stelle der Marx-Ideologie ist nunmehr eine Markt-Ideologie getreten, die sich weithin und weltweit dem steuernden politischen Eingriff entzieht, eine Sonderwelt als globale Finanzwirtschaft entwickelt und als grenzenlose Ausbeutung und Ausplünderung des Planeten wirkt. Wurde das marxistische Gesellschaftsmodell von der Grundannahme bestimmt, dass der Mensch zum andern ein Mitmensch sein wolle, so wird das neoliberale weltkapitalistische System im Wesentlichen von einer dem Menschen innewohnenden Gier angetrieben. An die Stelle von Kooperation tritt Konkurrenz, anstelle der Ehrfurcht vor dem Leben die Herrschaft über alles Leben. Die total beherrschte Welt entgleitet dem Menschen in Maßlosigkeit.. Gibt es einen Ausweg? Eine andere Welt oder einen anderen Menschen? Wie ließe sich beides miteinander so verbinden, dass sich Entfaltungsfreiheit und Sozialbindung einander bedingen?
Schorlemmer bestärkte das Publikum zum Mut für Veränderungen. Er wandte sich gegen jegliche Utopien, die allesamt zum Scheitern verurteilt sind, sprach sich hingegen für Visionen für eine gerechtere, ökologisch nachhaltige Welt aus. Dazu solle der Mensch an sich selbst arbeiten, stets bestrebt sein, diese Welt als „guter Mensch“ zu verlassen, durch sein früheres Handeln soll sie eine „gute Welt“ sein. Gewiss ist es wenig, was der Einzelne tun kann, wenn es jedoch viele sind, ist es viel.
Der aus Wittenberg angereiste evangelische Pfarrer und streitbare Publizist warnte vor einer Profitgier, die künftige Generationen ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Selbst bescheidene Ideen, die Natur zu schützen, bekämen nur wenige Chancen. Schorlemmer nannte hierzu die Idee der Regierung von Ecuador (nicht Paraguay), die den Verzicht auf Erdölbohrungen in ihrem Nationalpark signalisierte, wenn die internationale Gemeinschaft eine gewisse Entschädigung zahlen würde. Letztlich sei jedoch eine sehr geringe Summe zustande gekommen.
Mitunter geriet der Vortrag etwas weitschweifig, dennoch fand der Referent stets zum roten Faden zurück. Manche Bemerkungen sorgten für Heiterkeit; etwa sein Vergleich mit den Kinder und Jugendliche verblödenden Nachmittagsprogrammen von Privatsendern mit vormaligen Pioniernachmittagen. Wobei Schorlemmer vermutlich an letzteren wohl kaum teilgenommen haben dürfte. Mehrere Besucher erinnerten sich hingegen an durchaus interessante Zusammenkünfte aus ihrer Schulzeit.
Dass der Vortrag insgesamt auf Zustimmung stieß, bewies der starke Beifall der zahlreichen Besucher. Manche nutzten am Schluss die Gelegenheit zur Autogrammstunde und zu persönlichen Gesprächen mit dem prominenten Gast.
B. Kemter

Sommerfest 2013

Am 20. Juli feierten wir, die Geraer Goethefreunde, und unsere Gäste unser zweites Sommerfest. Es kam eine beachtliche Runde von 32 Leuten zusammen. Unter ihnen konnten wir drei Kulmbacher Literaturfreunde begrüßen.
Besonders erfreulich war, dass recht viele Vereinsmitglieder am Programm mit eigenen Beiträgen mitwirkten. So wurde es eine recht vielseitige Veranstaltung. Unser Buchbasar fand regen Anklang, auch wurden die ersten Karten für unsere Veranstaltung mit Friedrich Schorlemmer „Von den Fesseln des Marxismus in die Fallen des Marktismus – Gier als Prinzip“ verkauft. Sie findet am 27. August statt.
Natürlich gab es auch Gutes zu essen und zu trinken. Dazu hatten einige Vereinsmitglieder so einiges beigesteuert.
Es wurde insgesamt ein sehr kurzweiliger Nachmittag und Abend.
Bernd Kemter

Studienreise nach Frankfurt/Main, Oestrich-Winkel, Wiesbaden 2013

Auf den Spuren Goethes

Ein Kleinbus brachte unsere erwartungsfrohe Gruppe über die Autobahn Richtung Westen gleich zu Beginn an den wichtigsten Ort unserer Reise nach Frankfurt/Main. Der Bus hielt direkt neben den Wolkenkratzern der deutschen Finanzmetropole vor Goethes Elternhaus Am Großen Hirschgraben, dem Goethe-Haus.
Dieses wurde 1863 als eine der ersten literarischen Gedenkstätten Deutschlands vom Freien Deutschen Hochstift eröffnet. Heute ist es ein sorgsam rekonstruierter Bau nach der fast vollständigen Zerstörung Frankfurts durch Fliegerbomben der Alliierten im 2. Weltkrieg. Bewegliche Gegenstände waren ausgelagert gerettet worden, so dass wir Besucher einen guten sehr anschaulichen Eindruck vom wohlsituierten Leben der Familie Goethe in der damaligen Freien Reichsstadt erhielten, vermittelt durch die kompetente Führung von Ernst-Jürgen Leinert. Da gab es eine Geschichte von der lebensbedrohlichen ersten Stunde des Babys Wolfgang, eine Erzählung von der Besonderheit eines Brunnens im Hause, von dem Frankfurter Schrank mit dem reichen Wäschebestand oder die Kupferstiche römischer Veduten an den Wänden, die der Vater von seiner Italienreise mitgebracht hatte und sogar ein aufrechtes Hammerklavier (Pyramidenflügel) aus der Werkstatt des Geraer Orgel- und Klavierbauers Christian Ernst Friderici.
Noch lange kreisten meine Gedanken um die Tatsache, dass der Wiederaufbau dieses bedeutenden Kulturdenkmals gleich in den ersten Stunden des Nachkrieges diesen Vorrang vor anderem Wiederaufbau (Wohnungen!) hatte. Welch ein Zeichen!

Die ersten beiden Nächte verbrachten wir in einer Pension bei Mörfelden-Walldorf.
Am nächsten Vormittag schlenderten wir dann im Main- Park entlang , freuten uns über die Aussicht zum Gegenufer und sahen dort ganz nah die Europäische Zentralbank (EZB) im Rohbau.
Auf Parkbänken ausruhend überraschte uns unser Vorsitzender Bernd Kemter mit der Lesung eines Essays von Christa Wolf über das kurze Leben der begabten und heute als bedeutend anerkannten Romantikerin Karoline von Günderode. Christa Wolf beschreibt, wie dieses weibliche Sich-selbst-leben-wollen zur Selbsttötung der Günderode führte. Das machte uns betroffen und überzeugte auch die männlichen Mitglieder der Gruppe von dem Übel des gesellschaftlich behinderten Lebens der Frauen zur Goethezeit.
Nicht weit entfernt am Ufer aßen wir in der zum gehobenen Gartenlokal ausgebauten Gerbermühle zu Mittag, zum Beispiel die auch von Goethe geliebte Frankfurter Grüne Soße.
Die Gerbermühle ist verknüpft mit der berühmten Marianne von Willemer, der Suleika aus dem West-Östlichen Divan. Über die spannende Beziehungsgeschichte zwischen Marianne und Goethe und dem Bankier Johann Jakob von Willemer, dem die Mühle gehörte, hatten wir bereits daheim in einem Vortrag der Jenaer Literaturwissenschaftlerin Angelika Reimann gehört, Nun hier an einem Ort ihrer Begegnung und beim Vorlesen von Texten aus Dagmar von Gersdorffs Buch „Marianne von Willemer und Goethe“ konnte jeder aus Anschauung und Fantasie den außerordentlichen Charakter dieser Freundschaften erfahren.

Es folgte dann ausgehend vom „Römer“ ein faktenreich geführter Stadtrundgang auf den Frankfurter Lebensspuren der Goethefamilie. So sahen wir zum Beispiel die Gedenktafel für das Haus zum Goldenen Brunnen, dem späten Wohnsitz der Mutter, die Katarinenkirche (Goethes Konfirmationsort ), die Paulskirche – Ort der ersten deutschen Nationalversammlung (ihr Vorläuferbau, die Barfüßerkirche mit Lateinschule war Goethes Schulort) und Standort des großväterlichen im Krieg zerstörten Hotels Weidenhof. Auch den Frankfurter Wohnort der aus Italien eingewanderten Brentanos konnten wir vor einer Einkaufspassage stehend erahnen, hier lebte auch Bettina von Arnim, geborene Brentano, heute anerkannt als die größte Frühromantikerin deutscher Sprache. Zum Abschluß des Tages suchten wir das Willemer-Häuschen, ein Gartenhäuschen im Stadtteil Sachsenhausen auf einem Hügel gelegen auf, einem Begegnungsort Goethes mit Marianne, heute ein restaurierter Treffpunkt für kleine kulturelle Veranstaltungen.

Am nächsten Tag ging es nach Östrich-Winkel, einer alten Weinbaugegend im Rheingau, wo das Brentano-Haus in Winkel heute noch fast im originalen Zustand steht. Eine im Haus wohnende Nachfahrin der Brentanos führte uns und wir genossen die originale Atmosphäre, in der Goethe ein gern gesehener Gast der Familie Brentano war, die er schon aus Frankfurter Zeiten kannte. Viele Gemälde an den Wänden illustrieren die Familiengeschichte und den Freundeskreis mit Porträts. Filigrane gerahmte Scherenschnitte stammen von Bettina Brentano. Am Flügel im Großen Saal wurde auch meisterhaft musiziert, und die Brentanos vermittelten die Annäherung Goethes an Beethoven. Vom großen Saal aus kann man in Goethes Schreibstube und sein Schlafzimmer blicken. Bis heute ist dieses Haus ein beliebter Treffpunkt von Gegenwartskünstlern und auch Politikern.
Auf dem nahen Friedhof entdeckten wir das an der Friedhofsmauer gelegene Grab der Karoline Günderode.

Vom Brentano-Haus aus wandernd und über den Rhein schippernd hat Goethe das Sankt Rochusfest bei Bingen besucht und dies auch beschrieben. Die Rochuskapelle liegt auf einem Hügel und ist noch heute ein Wallfartsort. Wir fuhren dorthin und vorbei am Hildegard von Bingen Forum der Kreutzschwestern mit Hilfe einer Autofähre über den Rhein und unseres Kleinbusses, mit dem uns Busfahrer Jens immer sicher und pünktlich zu all unseren Zielen brachte.

Wieder am Rheinufer in Bingen entdeckten wir das Historische Museum am Strom „Hildegard von Bingen“ und besichtigten es, bis uns der Schaufelraddampfer namens „Goethe“ – wie sonst! – flußabwärts nach St. Goarshausen trug. Diese Rheintour führte am berühmt-berüchtigten Lorelyfelsen vorbei, viele im Chor singend nach den von einer wilden Männertruppe verteilten Texten. Etliche Goethe-Freunde kannten freilich auch den Heine-Text auswendig.

Die letzte Nacht verbrachten wir in Oestrich-Winkel im familiengeführten historischen Gasthof „Schwan“, verwinkelt, aber gemütlich. Am Morgen ging es nach einem Abstecher zur imposanten barocken Schloßanlage Biebrich – ein heißer Tipp unserer Goethefreunde Marianne und Ekkehard Heide – durch Wiesbaden zum Goethe-Stein und Aussichtsturm, einem stadtnahen Ausflugsziel mit weitem Blick in die Main-Ebene. Strahlender Sonnenschein begleitete uns und reife knackige Kirschen lockten am Wegesrand.
Und nicht zuletzt möchte ich von den fröhlichen Abendessen in stilvollen Kneipen berichten, und wenn es passte, sangen wir mit wachsendem Eifer beim Wein alte Lieder bis in die Nacht.
Wieder zu Hause im teilweise überflutet gewesenen Gera bringt die Erinnerung an die schönen Tage den Mut zum Planen weiterer solcher Ausflüge auf, nicht nur um die engen Seelen zu lüften.

Barbara Bodechtel
Juni 2013

5. Juni 2013 Vortrag von Hartmut Heinze

„Goethe und China“ Vortrag von Hartmut Heinze, Berlin

Heinze nennt zunächst mehrere Autoren, die sich mit China beschäftigt haben: Wieland, der allseits Gebildete, mit seinem Werk „Der goldene Spiegel“, des Weiteren Brecht mit „Der gute Mensch von Sezuan“ in Anknüpfung an Wieland. Brecht: „Turandot oder der Kongress der Weißwäscher“. Hermann Hesse: „Das Glasperlenspiel“. Döblin. „Die drei Sprünge des Yan Lun“. Dieses Buch sei sehr zu empfehlen. Es handelt davon, wie Daoisten einen Aufstand anzetteln, auch gegen weltliche Priester. Sie meinen: „Die gesamte Natur ist ein Tempel.“ Auch der Konfuzianismus wird skeptisch gesehen. So wendet sich der Dichter Wu Wei mit seiner Aufforderung zum Nicht-Handeln gegen diese staatstragende Lehre.
Goethe hat den Buddhismus abgelehnt und teils auch den Daoismus. Die Welt erobern zu wollen, wird misslingen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang sein unvollendetes Trauerspiel “Elpenor”. Erkenntnisse aus gerade übersetzter chinesischer Literatur: Diese Menschen fühlen wie wir, und man fühlt sich bald wie ihresgleichen, nur dass es dort gelassener und müßiger zugeht. Auf diese Weise habe sich das chinesische Reich über Tausende von Jahren erhalten. Die Chinesen seien viel beständiger als Europäer. Intensive Naturschilderungen regten Goethe 1827 zu seinem Gedichtzyklus Chinesisch-deutsche Tages- und Jahreszeiten an. Typisch ist hierbei der Gedanke: Dauer im Wechsel. Dieses Ausbalancieren der Gegensätze ist das chinesische Prinzip des Lebens. Es handelt sich um 14 Gedichte, wichtig ist vor allem das achte Gedicht “Dämmerung senkte sich von oben…” Konfuzius kommt bei Goethe gar nicht vor, er kannte ihn nicht. Jedoch entsprech die konufianische Staatslehre eher seinem Denken, während er sich in seiner Naturauffassung mit dem Daoismus traf. Dem Buddhismus mit seiner Flucht vor den Leiden der Welt hat er allerdings nichts abgewinnen können, denn “Dasein ist Pflicht”. Dafür zeugen beispielsweise seine Verse aus den Chinesisch-deutschen Tages- und Jahreszeiten: “Nun denn! Eh wir von hinnen eilen,
Hast noch was Kluges mitzuteilen?“ Sehnsucht ins Ferne, Künftige zu beschwichtigen, Beschäftige dich hier und heut im Tüchtigen.”Der Zyklus entstand als Alterswerk im Gartenhaus an der Ilm. Es entstehen Bezüge zu Charlotte von Stein, zur Zeit Goethes mit Christiane, zu Freunden wie Knebel. Es entsteht eine Lebenssicht mit vielfältigen Facetten.
Dies trifft auch auf die Elpenor-Dichtung zu. Es gibt ebenso Bezüge von “Elpenor” zu Faust: Wie kann ich mit Schuld weiterleben? Goethe ruft die liebenden Kräfte der Natur auf. Sie bieten Faust Vergessen und neuen Lebensmut, seelische Gesundung. Daher folgt die Beschwörung der Naturgeister.
Dauer im Wechsel. Dies ist Gesetz und Forderung allen Lebens. Der Mensch solle sich daher auch nicht festhalten an allzu Positivem oder Negativem. Somit hat Goethe als erster Poet den Geist der chinesischen Weltanschauung nachgebildet.
Das Elpenor-Fragment entstand bereits 1783, doch bis 1860 kannte man es kaum, obwohl es schon 1806 veröffentlicht wurde. Elpenor ist der von Hoffnung Beseelte, Polymetes: der Kluge, jedoch Machtlose. Er kann den Prinzen von seinem Kriegsspiel nicht abhalten. Hier widerspiegelt sich der Konflikt Goethes mit Carl August, der dem preußischen Heer seine Dienste leistet.

Zum Gedichtzyklus “Chinesisch-deutsche Tages- und Jahreszeiten”: Das Leben im Einklang mit der Natur ist für den Menschen wohltätig. Die Gedichte führen diese Harmonie vor Augen. Die Motive sind zwar gegenständlich, richten sich aber auf die letzten Dinge. Sie charakterisieren sich durch ein Mindestmaß an Worten und Höchstmaß an Anschaulichkeit. Flucht ins ganz Private, Verlassen der menschlichen Ordnungen in natürliche Gefilde. Der symbolische Raum ist der Garten (an der Ilm). Das zweite Gedicht versetzt den Leser in diese Gartenidylle und seine Frühlingspracht. Aber es gibt kein Verweilen, denn der Sommer naht. Im dritten Gedicht wächst sich alles zur Hoffnung, zum Ausblick auf das erblühende Paradies. Der Eintritt des Sommers mündet in die Sonnenwendfeier. Die Gedichte vier und fünf sind durch das Pfauenmotiv charakterisiert. Ihr prachtvolles Gefieder erscheint als Abglanz einer höheren Welt im Gegensatz zum Hässlichen der indischen Gänse. Im sechsten Gedicht keimen Abschied und Sehnsucht auf Trotz Kuckuck und Nachtigall erweist sich das Leben als vergänglich. Diese Erkenntnis wird auf die Liebessituation übertragen. Auch hierbei verweilen Sehnsucht und Erinnerung. Das siebte Gedicht beschwört wieder die vergangene Einheit mit der Geliebten. Nicht Wehmut und Verzweiflung, sondern abgeklärte Besinnung treten auf den Plan. Im achten Gedicht tritt Dämmerung ins Bewusstsein. Die Vergänglichkeit des Menschen scheint klarer auf. Es wird Nacht, doch auch in der Nacht strahlt Licht: die Venus als Abend- und Morgenstern. Bereitschaft zur Entsagung dessen, was nicht festzuhalten ist. Doch “Nun tritt der Mond hervor”, seine Erscheinung weist von der Entsagung zur ewigen Geschäftigkeit des Lebens, zu dessen stetiger Verjüngung. Knsope und Sprösslimg weisen im neunten Gedicht auf das vegetative Gesetz hin, dem sich auch der Mensch beugen muss. Es wendet sich dem Warum und Wie zu. All dies wird in der Betrachtung der Rose sichtbar gemacht. Dem steht die Erkenntnis der Naturwissenschaftler gegenüber – ein wirdiges Geschwätz. Das zwölfte Gedich, das aus zwei Teilen besteht, bringt demgegenüber den Dichter ins Spiel. Doch der hat sich von der Realität entfernt (Selbstironie Goethes).
Der Rückzug in die Einsamkeit wird nicht empfohlen. Es bleibt die tägliche Tätigkeit und die Vermeidung der Sehnsucht ins Unzugängliche. Es bleibt, seine Pflicht zu erfüllen. Die Forderung des Tages sei nicht außer acht zu lassen. Sein Lied von der Erde endet nicht in der Nacht, sondern in der Aufforderung, die Sehnsucht in die Ferne zu beschwichtigen und sich hier und Heute im Tüchtigen zu bewähren.

8. Mai 2013 Vortrag des Ehepaars Hörnigk

„Heimat, meine Trauer“, Vortrag von Dr. Therese und Dr. Frank Hörnigk, Berlin

„Heimat, meine Trauer, Land im Dämmerschein, Himmel, du mein blauer, du, mein Fröhlichsein.“ (Eisler/Becher)

Becher erlebte schlimmste Repressionen, die Lage im Schriftstellerverband in Moskau entwickelte sich zur Katastrophe. Freunde und Genossen wurden liquidiert. Dennoch bekannte sich der Kommunist Becher zur Sowjetunion: „Um mit dir zu weinen in der Dunkelheit“. Diese Verse entstanden 1949, als es schon zwei deutsche Staaten gab und der Kalte Krieg tobte. 1947 hatte der letzte gemeinsame Schriftstellerkongress stattgefunden, um einen einheitlichen Verband zu gründen. Vergeblich. Es wuchsen zwei Literaturen heran.
Die offizielle bundesdeutsche Literatur deklariert ausdrücklich die Stunde Null. Dies ist nicht haltbar. In der DDR heißt es Tag der Befreiung: Auf einmal sind wir Sieger der Geschichte. Und für die Literatur gab es auch keine Stunde Null.
Die erste Generation von DDR-Literaten kam aus verschiedenen sozialen Milieus. Es entstand eine heikle Situation. Die Bereitschaft zum Aufbau-Engagement und dies vor dem Hintergrund des überwundenen Nationalsozialismus war groß, führte jedoch infolge der Vorgaben zu absoluter Provinzialität. Man wollte über Kultur und Kunst Menschen erziehen, um eine neue Art des Denkens herzustellen. Dies brachte große Probleme mit sich. So wurde Eisler mit seiner „Faust“-Oper schmählich zurückgewiesen, ging verbittert nach Wien.
Alles wurde platt gemacht, was nur ein wenig vom Wege abwich. Kulturpolitiker nahmen Eingriffe zensorischer Art vor. Ganz offen, keineswegs verdeckt, war die führende Rolle der Partei durchzusetzen (geistiger Amtszynismus ersten Ranges). Dies war verbunden mit dem Verweis auf unliebsame Konsequenzen, falls man dem nicht folgte. Es führte dahin, dass manche Autoren das Land verließen.
Kunst und Literatur entstehen aus einem Leidensdruck heraus. Im konkreten geschichtlichen Fall führt dies zu einem Zwiespalt von Repression und Anerkennung. „Eigentlich wollen wir dasselbem wollen es aber anders sagen“, und genau aus diesem Konflikt erwachsen bedeutende Brüche.
DDR-Literatur wird so zur Planaufgabe. Sie sollte gleich zu Beginn ihren Beitrag zur Erfüllung des Zwei-Jahres-Planes leisten. Ihre Erziehungsfunktion war der Traum der Parteifunktionäre (sozialistischer Realismus). Sie hofften darauf, die Einheit von Geist und Macht herzustellen, diesen Widerspruch aufzuheben. Es gab solche Literatur: Dr. Schlüter als Faust III. Solche Figuren wollte Ulbricht und damit die größtmögliche Propaganda in jedem Wohnzimmer.
Dagegen standen neue Texte in der zweiten Generation der DDR-Literaten. Hierzu gehörten Bobrowski, Fühmann, Müller, Hacks, Heym, Neutsch; Leute, die schon auf andere Weise an die Öffentlichkeit traten. Viele Literaten beschäftigen sich noch mit der Nazizeit. Der Begriff „Verordneter Antifaschismus“ ist dabei verwerflich, trifft auf die Literatur überhaupt nicht zu, wenn man an beispielsweise am Bruno Apitz und Jurek Becker denkt. Dann schon eher das Brecht-Wort: „Die Keller sind noch nicht ausgeräumt, und schon baut man neue Häuser.“ Es sind verständliche Hoffnungen. Nun soll die Literatur auch zusehends Erfahrungen aus dem sozialistischen Alltag zeigen; propagiert werden Romane aus der Produktion.
Anfang der 60-er Jahre tritt Volker Braun hinzu. Nach dem Mauerbau wächst zumindest eine Hoffnung: Vielleicht können wir nun störfrei agieren, bekommen eine neue Chance, auch wenn die Mauer leidvoll empfunden wird. Hier kommt auch der Bitterfelder Weg (Greif zur Feder, Kumpel) ins Spiel, er war aber nicht so erfolgreich, wie sich die Parteiführung dies erhoffte. Viele Autoren folgten zwar diesem Ruf, aber die Widersprüche aufzuzeigen, war eine andere Sache. Die Hoffnung auf Emanzipation in geschlossenen Verhältnissen blieb eine Illusion. Dies zeigte sich rasch und vor allem nach der berüchtigten 11. ZK-Tagung 1965 Heiner Müller wurde aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen.Gerade Literatur f ü r das Land zu machen, dieser Anspruch wurde zurückgewiesen. Es gab eine opportunistische Anpassung: Das Gefühl, gebraucht zu werden und mitmachen zu wollen am großen Werk, dies führte zur Selbsterziehung. Und blieb doch Fiktion. Gegen Ende der 60-er Jahre trat die DDR-Literatur in eine neue Phase ein. Es erschien „Nachdenken über Christa T.“ (Christa Wolf). Heiner Müller wurde im Westen gespielt. Die Rezeption ästhetischer Literatur wird für das Publikum zunehmend zum Medienersatz. Literatur konnte nun über Dinge sprechen, die kein Marxismus-Leninismus, kein Journalistik-Studium, keine offizielle Ideologie behandeln durfte. Hier konnte man sich als Leser einklinken, mache Bücher wurden zur Bückware: „Kassandra“. Zensoren ma0ten sich an, darüber zu entscheiden, was marxistisch war, was nicht. 69 Zeilen wurden aus „Kassandra“, Christa Wolfs Werk gestrichen. Doch alles, was gestrichen wurde, sollte durch Pünktchen ersetzt werden. Darauf bestand Wolf. Ihr Werk gehörte nicht nur zur Frauenliteratur in der DDR, es behandelte Frauen in der Gesellschaft überhaupt.
Nach der Wende erfolgte eine maßlose Abwertung der DDR-Literatur. Kurz nach dem Mauerfall brach der deutsch-deutsche Literaturstreit aus. Auch am Beispiel Christa Wolf ging es um die Frage: Was bleibt? Merkwürdig blieb es, da ihre und Werke weiterer Autoren vormals im Westen gewürdigt, gefördert und mit Preisen bedacht und nun geschmäht wurden. Es war eine Zeit tiefer Kränkungen. Die Dominanz westdeutscher Literatur war erdrückend.
Wolf: „Wir haben dieses Land geliebt.“ In der „Stadt der Engel“ geht es aber auch um das eigene Versagen. Und dennoch: „Ich lasse mir nicht mein Leben wegnehmen.“ DDR-Literatur war unser geistiges Brot. Wir haben geglaubt, dass sich die Widersprüche auflösen werden innerhalb dieses Systems.Aber die Krise dieses Systems war strukturell begründet.

Frühlingsausflug 2013 ins Altenburger Land

Begegnung mit Musen und Menschen,

Poeten und Pavianen,

alter Eiche und jungem Grün

 

Wahrlich alle Sinne waren am letzten Sonnabend im April beim Frühlingsausflug der Geraer Goethe-Gesellschaft gefragt. Denn Organisatorin Elke Sieg, die auch die Geschäfte der Gesellschaft führt, hatte das Programm mit vielerlei Überraschungen voll gepackt. Das hatte trotz der stark gefallenen Temperatur und des Nieselregens 17 Goethe-Freunde und Gäste – davon je zwei aus Potsdam und vom befreundeten Kulmbacher Literaturverein – angelockt und keiner hat’s am Ende bereut.

Unser Ziel war diesmal das Altenburger Land. Den Auftakt bildete die Besichtigung (von außen) des Musenhofes Löbichau. Die Herzogin Anna Dorothea von Kurland versammelte hier namhafte Literaten und Künstler ihrer Zeit. Beispielsweise Jean Paul, von dem wir später Texte hörten. Auch Goethe soll hier zu Gast gewesen sein – Wo war er nicht?! – allerdings nur zwei Tage. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Pflegeheim. Der Historiker Dirk Fuhrmann erklärte uns vielerlei interessante Details zur Baugeschichte des einstigen Schlosses, von dem nur noch der Säulengang am Eingangsbereich (Portikus) original existiert. Der kleine Pavillon im angrenzenden Schlosspark beschirmte uns für einen kleinen Stehimbiss aus dem großen Proviantkorb der Organisatorin, die auch noch literarische Kostbarkeiten zum Besten gab.

Nächste Station: Nöbdenitz. An der uralten hohlen Eiche, die schon über tausend Jahre alt sein soll, erwartete uns Ortschronistin Marlies Geidner-Girod und erklärte Wissenswertes zu dem markanten Baum. Besonders spannnend und romantisch: Im Inneren des Baums befindet sich eine Gruft. Der einstige Rittergutsbesitzer, Schriftsteller und Chronist Hans Wilhelm von Thümmel hat sich hier 1824 in dem Baum begraben lassen.

Ihm und der Herzogin Dorothea von Kurland begegneten wir später auch im Museum auf Burg Posterstein wieder.

Doch zuvor genossen wir noch die Veilchen, Blausterne und Himmelschlüssel im regennassen Landschaftspark Tannenfeld. Etliche Goethefreunde haben sich fest vorgenommen, zur Rhododendron-Blüte wieder hierher zu kommen.

Die ursprünglich geplante Wanderung entlang der Sprotte fiel zwar ins Wasser, die Stärkung im Kunst- und Kräuterhof Posterstein, den wir schon von unserem ersten Literaturwettbewerb her als wunderbaren Ort der Begegnungen kennen, kam allen aber doch willkommen. Etliche Zutaten für die „Hexensuppe“ oder den Kräutertee, gebraut von Bettina Martin und Ulrich Simon, konnten wir uns anschließend im Kräutergarten anschauen. Nachdem Goethe-Freunde nochmals Literarisches von Fallada bis Voltaire vorgetragen und wir auch noch leckeren Auenhof-Kuchen probiert hatten, ging’s zum letzten Ziel des Tages nach Kummer. Dort brachen wir ab und zu in Tränen aus, aber nicht aus Kummer und Sorge, sondern in Freudetränen und Lachsalven. Denn es war zu putzig, was die Berberaffen und Paviane mit ihren Trainern im Probst-Hof vorführten. Die Tiertainer Maike und Jörg Probst weihten das Publikum in vieles ein, was hinter den Dressuren steckt. Denn auch hier wird – wie bei der Geraer Goethe-Gesellschaft der Spaß immer auch mit Bildung verbunden.

Allen, die diesmal nicht bei unserem Ausflug dabei sein konnten, dürfen wir versichern: Die nächste Aktion der GGG kommt gewiss und Gäste sind uns immer willkommen, bei den Ausflügen ebenso wie bei den Vorträgen.

-anke-

April 2013

 

 

3. April 2013 Vortrag von Dr. Arnold Pistiak

„Darf es auch etwas Goethe sein? – Hanns Eisler und Goethe“, Vortrag von Dr. Arnold Pistiak, Potsdam

 

Dr. Arnold Pistiak hat sich lebenslang mit Hanns Eisler beschäftigt, von dem nicht nur das Solidaritätslied, sondern auch „Deutschland, sei gepriesen“ und „Anmut sparet nicht noch Mühe“ stammt. Eislers Nachlass befindet sich in der Akademie der Künste: das Eisler-Archiv. Die Literaturwissenschaft über Goethe klammert Eisler aus, nicht aber die Musikwissenschaft. Aber spezielle Untersuchungen gibt es auch dort kaum. Seine Goethe-Kompositionen blieben weitgehend unbekannt.

Wichtig war Eislers Bekanntschaft mit Arnold Schönberg, er hat ihm kostenlosen Kompositionsunterricht gewährt. Beide entzweien sich jedoch nach 1925. Eisler wollte Musik fürs Volk machen, knüpfte Kontakte nach Berlin, zu Brecht, Busch, Weinert. Der „Rote Wedding“ entstand. Eisler schuf auch die Musik für den proletarischen Film „Kuhle Wampe“. Eisler emigrierte zuerst nach Großbritannien, dann in die USA. Er konnte in der Filmindustrie von Hollywood Fuß fassen. 1948 wurde er vor das berüchtigte „Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Tätigkeit“ vorgeladen, er wurde ausgewiesen. Eisler ging zuerst nach Wien, erhielt dort eine Einladung für eine Professur in Berlin. Hier lebte er bis zu seinem Tod 1962.

Eisler schuf mehrere Kompisitionen zu Goethes Werken, so zum „Lied der Schatzgräber“ und „Meeresstille“. Stets hatte er dabei die humanistische Verantwortung Goethes im Blick. Sie bildete für Eisler den zentralen Referenzpunkt. In diesem Werk verkörpert sich der Ethos der produktiven Tätigkeit. „Meeresstille“ und „Glückliche Fahrt“ entstanden ebenfalls nach 1795. Die Kriegstätigkeit scheint gebannt, die Menschen richten ihren Blick wieder nach vorn. Sänger und Orchester gestalten das Stück. Die Musik verläuft schnell, ohne Wiederholungen. Eisler komponiert die „Rhapsodie für großes Orchester zum 200. Geburtstag Goethes“ (mit Sopransolo nach Worten aus Goethes „Faust“), sie ist der Höhepunkt zum Festakt, und sie enthält Reminiszenzen an seine Hollywood-Zeit.

Zur Vorgeschichte: Eisler weilte im Mai 1949 in Wien, weil dort seine Kantate „Mutter“ (Brecht) aufgeführt wurde. In Wien erreichte ihn ein Brief von Ottmar Gerster, Rektor der Weimarer Musikhochschule, mit der Bitte, ein zusammenhängendes Werk mit Worten aus Goethes „Faust“ zu schaffen. Einige Teile schuf Eisler neu, bei anderen verwendete er Motive aus der Musik zum tschechischen Film „Kreuz drei“. Aus dem Helena-Akt wählte er zwei Passagen aus, so Verse der Phorkyas: “Höret allerliebste Klänge, Macht euch schnell von Fabeln frei!

Eurer Götter alt Gemenge, Laßt es hin, es ist vorbei. Niemand will euch mehr verstehen, Fordern wir doch höhern Zoll: Denn es muß von Herzen gehen, Was auf Herzen wirken soll.” – Das andere Zitat bezieht sich auf den Chor in der Arkadien-Szene: “Wolltest Herrliches gewinnen, aber es gelang dir nicht. Wem gelingt es? Trübe Frage, der das Schicksal sich vermummt, wenn am unglückseligsten Tage blutend alles Volk verstummt.” Dem folgt jedoch gleich die Fortsetzung: “Wem gelingt es? – Trübe Frage …, Doch erfrischet neue Lieder, Steht nicht länger tief gebeugt; Denn der Boden zeugt sie wieder, Wie von je er sie gezeugt.” All dies steckt voller aktueller Anspielungen auf das Kriegsende, fordert zu neuem Aufbruch.

1950 folgte Eisler dem Ruf nach Berlin. Er besuchte Brecht in Spremberg, schrieb Kantaten. Diese Kantaten behandelten das Schicksal des italienischen antifaschistischen Schriftstellers und ehemaligen kommunistischen Funktionärs Ignazio Silone, der nach den Stalin’schen “Säuberungen” der Komintern den Rücken kehrte. Er hatte Stalin widersprochen und wurde daraufhin als Verbrecher stigmatisiert. Es waren durchaus auch antifaschistische Kantaten, wurden in der DDR jedoch lange nicht erwähnt. Erst 1968 erschien in einer Musikzeitschrift ein kleiner Artikel, in dem dieser Zusammenhang dargestellt wurde.

Eisler wollte eine Faust-Oper schreiben, veröffentlicht wurde ein Faust-Textbuch von Becher, es wurde jedoch von Ulbricht angegriffen: Eisler verunglimpfe Faust …

Bis an sein Lebensende ging Goethes humanistische Idee bei Eisler nie verloren.Gleichzeitig wandte er sich gegen die stalinistischen Verbrechen.Er schrieb 1951 im Rückgriff ein Werk “Das Vorbild” mit dem Untertitel “Triptychon”. Es beginnt als Fuge, ist an Bach orientiert und dennoch eine moderne Komposition. Auch die Musik zu Goethes “Das Göttliche” wurde aufgeführt, dann aber rasch unter den Teppich gekehrt. Ein Lied “Goethes Fragment” thematisiert Motive aus dem “West-Östlichen Diwan”.

 

Ausflug nach Leipzig ins Gewandhaus – 2013

Besichtigung Gewandhaus und Besuch Panorama Tower

Von Erika Seidenbecher

 

Am 16. Februar 2013 fuhren 13 Mitglieder der Goethe-Gesellschaft mit dem Zug nach Leipzig, um das Gewandhaus kennen zu lernen. Auf dem Weg zum City-Hochhaus kamen wir an der Fassade der Universitätskirche vorbei. Die ursprünglich 1240 erbaute gotische Klosterkirche, die von Luther zur Universitätskirche geweiht wurde, war, trotz des Protestes der Leipziger Bevölkerung, 1968 abgerissen worden. Gegen 11.00 Uhr kamen wir im Panorama Tower an, der Gaststätte, die sich im 29. Stockwerk des Uni-Hochhauses befindet. Das Panorama-Café gilt als das höchste Restaurant Mitteleuropas und bietet einen prachtvollen Rundblick über die Messestadt. Leider war das trübe und regnerische Wetter nicht dazu geeignet, uns eine atemberaubende Sicht zu ermöglichen, aber wir trösteten uns mit dem guten Speiseangebot des Cafés Nach dem Mittagessen setzten wir uns zusammen, um uns literarischen Genüssen zu widmen. Angelika und Bernd Kemter hatten Texte von Lene Voigt auf „Sächs’sch“ mitgebracht: Märchen, Gedichte, Erzählungen, die ausgehend von bekannten Märchen und Geschichten (Heine, Goethe, Schiller), Lustiges mundartlich erzählen und uns alle zum Schmunzeln brachten. Da bis zur Besichtigung des Gewandhauses noch Zeit blieb, bummelten wir noch durch Leipzigs wunderschönes Zentrum. Wirklich sehenenswert ist die belebte Innenstadt, schön sind aber auch die prachtvollen Bauten der Bürgerhäuser, die Kirchen und Denkmale. Wir kamen an der Nicolaikirche und der Thomaskirche vorbei und betrachteten die Skulpturen von Bach, Leibniz und Mendelssohn-Bartholdy. Pünktlich 14.30 Uhr fanden wir uns am Gewandhaus ein und wurden hier schon vom Gästeführer erwartet.

Eine interessante Führung begann. Wir erfuhren, dass das erste Gewandhaus Leipzigs ein ehemaliges Zentrum der Tuchwarenhändler war und 1781 von reichen Leipziger Bürgern angekauft wurde, um hier Konzerte zu veranstalten. An einem Modell sahen wir den relativ kleinen Konzertsaal im Dachgeschoss des Hauses. Hier gründete Mendelssohn-Bartholdy auch ein Konservatorium. Damals gab es im Orchester nur 16 fest eingestellte Musiker, das heißt, dass bei Konzerten die fehlenden Musiker engagiert werden mussten. Das zweite Gewandhaus Leipzigs in der Beethoven-Straße, das von 1884 bis 1944 existierte, hatte schon zwei Konzertsäle, einen kleinen Saal für Aufführungen des Kammerorchesters und einen großen Saal für große Konzerte. Dieses Gewandhaus fiel dem Krieg zum Opfer.

Das neue Gewandhaus am Augustusplatz ist ein modernes, großzügig gebautes Gebäude, das mit dem gegenüberliegenden Opernhaus ein wunderbares Ensemble bildet und 1981 fertiggestellt wurde. Entwurf und Projektierung des Gewandhauses stammen von Rudolf Skoda. Kurt Masur konnte 1981 die Schlüssel des neuen Gebäudes entgegennehmen.

Wir besichtigten zunächst den kleinen Saal, der mit Ahornholz getäfelt eine gut Akustik besitzt und für 500 Zuhörer Raum bietet. Dann betrachteten wir das Foyer dieser Etage, bewunderten die Skulpturen Beethovens und Goethes und betrachteten die Wandgemälde, zuerst jenes, das der Antike gewidmet ist. Wir sahen Pan im musikalischen Wettstreit mit Phoebus. Beethoven hat die Sage zum Anlass genommen, die Kantate „Der Streit zwischen Phoebus und Pan“ zu komponieren. Das zweite große Gemälde ist der Neuzeit gewidmet. Auf dem Bild „Der Gesang“ erkannten wir Goethe, Wagner, Mahler und Mendelssohn-Bartholdy. In der Sammlung berühmter Musiker fehlen auch nicht die Bilder von Strawinsky, Schostakowitsch und Eisler, der vor den Faschisten floh und viele Jahre in den USA lebte. Ihm ist das Bild „Im Regen“ gewidmet, dass zum Ausdruck bringt, dass der Komponist sich seit der Emigration weder in der Fremde noch in seiner ursprünglichen Heimat wohlfühlte und entwurzelt war. Das Gemälde „Himmelsstürmer“ bringt zum Ausdruck, dass sich das Leben nicht im Himmel, sondern auf der Erde abspielt. Wir erfuhren, dass sich das Wohnhaus von Mendelssohn-Bartholdy ganz in der Nähe des heutigen Gewandhauses befand und heute als Museum eingerichtet wurde, das zum Teil mit den noch erhaltenen Möbeln, zum Teil aber mit originalgetreu nachgebautem Mobiliar ausgestattet wurde. Bevor wir den Großen Konzertsaal besichtigten, betrachteten wir ein von Felix Ludwig gefertigtes Kunstwerk, das allen Musikern des Gewandhauses gewidmet ist. Zu erkennen sind solche berühmten Musiker wie Masur, Furtwängler, Nikisch und Mendelssohn-Bartholdy.

Schließlich wurden wir in das Zentrum des Kunsthauses, den Großen Saal, mit seinen 2000 Sitzplätzen, dem Steinway-Klavier, der Eichentäfelung und der imposanten Orgel geführt. Das Motto „Res Severa verum gaudium“ (Wahre Freude ist eine ernste Sache) prangt über dem Orchesterraum. Das Orgelgehäuse bildet mit der Architektur des Konzertsaales eine Einheit. Mit seinen 6638 Orgelpfeifen und den „Spanischen Trompeten“, die horizontal in den Raum hineinragen, ist die Orgel einmalig.

Wir verließen den Musiksaal und betrachteten im Foyer die Büste von Robert Schumann. Er studierte in Leipzig Jura und wurde auf Grund seiner großen musikalischen Begabung von Mendelssohn-Bartholdy als Lehrer und später als Konzertmeister am Gewandhaus angestellt. Als er infolge einer Verletzung nicht mehr Klavier spielen konnte, war es Clara Schumann, die seine Klavierkonzerte mit Bravour spielte. Im Foyer besichtigten wir anschließend noch die Gemälde von Sitte und Zander. Zander stellte die Helden der Wagneropern dar: Tristan, Lohengrin und Parzival. Ein Bild zeigt Salome, die den Kopf von Johannes dem Täufer forderte. Ein Gemälde von Walter Womaka scheint auf den ersten Blick nichts mit Musik zu tun zu haben, dann entdeckt der Betrachter aber ein Kofferradio, das damals bei der Jugend sehr beliebt war. Hier im Foyer wird auch Arthur Nikischs gedacht, der nachdem er in Budapest und Wien studiert hatte, von 1855 bis 1922 in Leipzig wirkte. Die Bruckner-Büste erinnert daran, dass Bruckner Gastdirigent in Leipzig war. Auch Mozart gab zwei Konzert in Leipzig, und deshalb ist auch ihm eine Büste gewidmet. Im Erdgeschoss sahen wir die Porträts sämtlicher Kapellmeister seit Bestehen des Gewandhauses und wiederum große Gemälde: das „Lied der Stadt“ und das „Lied vom Krieg“. Zum Schluss bestaunten wir noch das überdimensionale Deckengemälde „Gesang vom Leben“ von Sighard Gille, das man durch die große Glasfront auch von außen sehen kann. Nachts wird das Gemälde angestrahlt und bietet dem Betrachter selbst aus großer Entfernung einen wunderschönen Anblick. Die Führung durch das Gewandhaus war sehr interessant und wissenswert.

Weil wir bis zur Zugabfahrt noch Zeit hatten, besuchten wir die gastronomische Einrichtung in der Moritz-Bastei, die, mitten im Zentrum gelegen, ein Teil der alten Stadtbefestigung war. Heute gilt die Moritz-Bastei als eine der ersten Kulturzentren Leipzigs. Für uns stand natürlich heute nicht die Kultur im Mittelpunkt unseres Besuches des historischen Bauwerkes, sondern das gemeinsame Kaffeetrinken.Beschwingt durch die vielen neuen und schönen Eindrücke, begaben wir uns anschließend zum Bahnhof und kamen am Abend wohlbehalten in Gera an. Unser Dank gilt Bernd und Angelika Kemter, die diese Fahrt organisiert haben.

 

Jahresbericht zur Mitgliederversammlung

Aus dem Jahresbericht 2012 des Vorsitzenden Bernd Kemter zur Mitgliederversammlung am 6. Dezember 2012.

 

Liebe Goethefreundinnen, liebe Goethefreunde,

das zurückliegende Jahr war zweifellos ein recht erfolgreiches. Dazu hattet ihr, der Vorstand und natürlich unsere Sponsoren ihren Anteil. Dafür herzlichen Dank.

Mit Mittelpunkt standen die Vorträge namhafter Referenten. Der thematische Bogen spannte sich dabei vom Verhältnis Goethe und Herder, über die Ermordung Winckelmanns und Kügelgens, über die Goethe’sche Selbstparodie im Faust, Goethe in Schleseien, bis zu Adalbert Stifter, Madame de Stael und Wieland als erotischer Schriftsteller. Es waren sowohl belehrende als auch vergnügliche Beiträge, eine echte Bereicherung unseres Vereinslebens. Auszüge davon sind auf unserer Hompepage nachzulesen. Wir setzten jedoch auch unsere Tradition fort, eigene Mitglieder zu Wort kommen zu lassen. So begannen wir das Jahr mit einer Lesung von Christa Heidloff, die Vortragsreihe beschloss Marianne zum Thema “Goethe und der Harz”. Euch beiden gebührt für eure anregenden Darbietungen unser herzlicher Dank. Ein Blick ins neue Programm, über das noch zu sprechen sein wird, verrät, dass wir wiederum Mitglieder zu eigenen Beiträgen einladen.

Ebenso traditionell organisierten wir gesellige Veranstaltungen. So führte uns ein Tagesausflug in die Semperoper nach Dresden, und beim Gaststättenbesuch konnten sich alle beim Kegeln beweisen. Wie es scheint, haben wir darin mittlerweile einige Fertigkeiten erworben.

Noch lange wird uns unser Ausflug zu unseren Kulmbacher Freunden in Erinnerung bleiben. Sie haben einen wirklich vielseitigen, anregenden Tag organisiert. Wir begaben uns auf Ringelnatz‘ Spuren auf Burg Lauenstein, hörten hierzu eigene Beiträge der Kulmbacher, besichtigten den einzigartigen Dom des Frankenwaldes und ließen uns Riesen-Windbeutel schmecken. Wir sind schon gespannt auf das 25. Kulmbacher Vereinsjubiläum, an dem wir uns gern beteiligen wollen. “Auf Goethes Spuren in der Schweiz” begaben wir uns Ende Juni. Doch zunächst führte unsere Fahrt dorthin auf die Spuren des “Blauen Reiter” – eine interessante Exkursion zu den gleichnamigen expressionistischen Malern, insbesondere zu Franz Marc. Der Rheinfall bei Schaffhausen, der schon Goethe in seinen Bann zog, Luzern und Bern hießen die nächsten Stationen. So erfuhren wir in Bern viel Wissenswertes zu Goethes Freund Lavater. Amüsant war natürlich die Schifffahrt auf dem Vierwaldstätter See und unser Schwur auf dem Rütli. In der Tat sind wir eine recht verschworene Gemeinschaft geworden, und der Rütli-Schwur hat dies auf sehr vergnügliche und bemerkenswerte Weise bekräftigt.

Ein Erfolg war ebenfalls der Herbstausflug an die Leubatalsperre mit anregender Floßfahrt und dem Nachmittag im Museums- und Ferienhof Waltersdorf, zu dem wir wieder – trotz ihrer Irrfahrt, die einem Odysseus alle Ehre eingelegt hätte – auch eine kleine Kulmbacher Delegation begrüßen durften. Zur immer enger werdenden Verbindung in die Weißmainstadt trägt jedoch auch die Autorenteilnahme von Mitgliedern unserer Gesellschaft an Kulmbacher Buchanthologien bei. Ihnen unser Dank. Erwähnen möchte ich noch den stimmungsvollen Liederabend auf Schloss Kochberg sowie den anregenden Nachmittag im Daetz-Zetrum mit den bemerkenswerten Holzschnitzereien aus aller Welt.

Mit Danksagungen möchte ich auch meinen Bericht beschließen. Dank gilt allen, die unserer Gesellschaft die Treue hielten; herzlicher Dank gebührt unseren Sponsoren, der Sparkasse, deren Vertreterin derzeit in Urlaub weilt und sich daher entschuldigen ließ, Holger Steiniger und Heiko Sittig. Dank gilt euch allen für eure Disziplin, Geduld und Zuverlässigkeit, ich meine hiermit insbesondere das pünktliche Erscheinen zu Vorträgen und Ausflügen bis hin zum Bezahlen. All dies ist wichtig, denn gerade die Ausflüge organisieren wir aus eigener Kraft, man muss sich da schon auf euch verlassen können, und das ist ja glücklicherweise der Fall. Aus der Vereinskasse haben wir im Übrigen unsere Veranstaltungen und vor allem die Ausflüge immer wieder bezuschussen können. Das sollte auch 2013 der Fall sein. Ohne unserer Elke vorzugreifen, möchte ich jedoch auf Folgendes verweisen: Aus unserem Etat bestreiten wir Summen, die eine Reduzierung unseres relativ hohen Mitgliedsbeitrages als nicht geboten erscheinen lassen. Auf die Zuschüsse habe ich bereits verwiesen. Sie sind wichtig, um ein wichtiges Prinzip zu gewährleisten: Die Beiträge für die Eintagesausflüge sollen 35 Euro, für Mehrtagesausflüge 450 Euro nicht übersteigen. Zu unserer aller Sicherheit bestreiten wir aus dem Etat jedoch auch die eminent wichtige Gruppen-Unfallversicherung und des Weiteren eine Haftpflichtversicherung. Viele Vereine halten dies sicherlich für überflüssig, was aber, wenn doch der Fall der Fälle eintritt? Wir sind jedenfalls im Interesse aller Mitglieder gewappnet. Erwähnen möchte ich noch, dass wir seit diesem Jahr auch Miete ans Comma zu bezahlen haben. All dies macht die Kassenführung gewiss nicht leicht; und spätestens an dieser Stelle ist unserer Elke für ihre umsichtige Arbeit zu danken. Ich bitte schon jetzt um pünktliche Begleichung des Mitgliedsbeitrages für 2013, bitte jedoch auch um Spenden (wer es eben kann), um unsere anspruchsvollen Vorhaben finanzieren zu können.

Dank gilt auch unserem Freund Klaus Köstner, der als rühriger Ostbeauftragter der Kulmbacher Literaturfreunde die Verbindung zu uns aufrechterhält.

Gewiss, es gibt nicht nur Positives zu berichten. Zumindest ein Aspekt darf uns nicht befriedigen. Es ist uns nicht gelungen, unseren Mitgliederstand zu erhöhen. Wir bewegen uns immer noch bei knapp zwanzig zahlenden Mitgliedern. Gewiss haben wir nicht die Absicht, eine Massenorganisation zu werden, aber für eine gute Perspektive unserer Gesellschaft halte ich dreißig bis vierzig Mitglieder für unerlässlich. Ich bitte euch daher, unter eurem Freundes- und Bekanntenkreis zu werben. Wir sind ja nun keineswegs eine langweilige Gesellschaft, es lohnt sich , bei uns mitzumachen.

Ich bitte um eine rege Diskussion und um viele Vorschläge. Euch allen sei versichert, dass auch der neue Vorstand alle Anregungen gern aufnehmen wird. Danke.